Waldläufer-Wochenende in den Ammergauer Alpen

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Der August war vor allem sonnig und heiß. So bereiteten sich die Teilnehmer des Waldläufer-Wochenendes im August auch auf eine warme Zeit vor. Bald war jedoch absehbar, dass sich genau an diesem Wochenende die Himmelspforten öffnen würden. Der von der Natur lang ersehnte Regen kam und das im erheblichen Maße. Unwetterwarnung und stundenlanger Platzregen ließen keine Wünsche nach ordentlichem Sauwetter offen.

Auf dem Programm standen wieder verschiedene Übungen, welche von den Teilnehmern gemeinsam in der Gruppe zu meistern waren. Los ging es damit schon am Treffpunkt auf einen Wanderparkplatz in Bad Bayersoien. Im einsetzenden Regen bekamen die Wanderer die UTM-Koordinaten des Startpunktes und einen Landkartenausschnitt ausgehändigt. Das im Alltag ständig bemühte Google-Maps konnte hier nicht weiterhelfen. Dort können nur GPS-Koordinaten eingegeben werden. Die Umrechnung könnte zwar eine App bewerkstelligen, doch so etwas steht auch nicht immer zur Verfügung. Für diejenigen, die hier nicht weiterwussten, gab es eine kurze Einweisung in das UTM-Gitter und die Arbeit damit. Als Hilfsmittel gab es dazu noch einen Planzeiger. Nicht alle schafften es in der vorgegebenen kurzen Zeit, die richtigen Koordinaten zu finden, aber nach etwas über einer Stunde war man bereits komplett durchnässt am Startpunkt angekommen.

Nässe von unten, Nässe von oben

Die Nässe sollte ein dauerhafter Begleiter in den kommenden zwei Tage werden. Während die Dämmerung schnell hereinbrach und der auf den Blättern prasselnde Regen das alles übertönende Geräusch wurde, bahnte sich der Trupp den Weg durch das dichte Unterholz. Man hatte eher den Eindruck im tropischen Regenwald, denn in den Ammergauer Alpen unterwegs zu sein. Wenig später war dann auch der namensgebende Fluss erreicht. Nun galt es, die Ammer zu überqueren. Das Ganze musste mit entsprechender Vorsicht vonstatten gehen. Durch die anhaltenden schweren Regenfälle war mit einem Ansteigen des Wasserpegels zu rechnen, unter Umständen auch schneller, als einem lieb wäre. Auch Ausrutschen wäre eher schlecht. Zwar war schon jeder – trotz Regenponcho oder -jacke – durchnässt, doch ein komplett klatschnasser schwerer Biwak-Rucksack wäre doch sehr von Nachteil gewesen. Nachdem die Flussschuhe angezogen wurden, ging es vorsichtig durch das Gewässer. Die Überquerung konnte ohne Vorkommnisse gemeistert werden.

Überquerung der Ammer an einer seichten Stelle

Nun galt es wieder zu navigieren. Der Gebrauch von GPS-Mitteln war untersagt und so blieben nur Karte und Kompass. Wege, Abkürzungen nach Marschkompasszahl und ein stetiger Anstieg standen sodann bis etwa halb drei Uhr nachts auf dem Programm. Mitten in der verregneten Nacht wurde das Etappenziel erreicht. Hinter der Berghütte spannte man schnell Zeltbahnen auf und bereitete das Nachtlager vor. Auf eine warme Mahlzeit hatte keiner mehr Lust. Es wurde in trockene Klamotten geschlüpft und die wohlverdiente Nachtruhe genossen.

Das Nachtlager ist aufgebaut, nun trockenlegen und ab in den Schlafsack

Ausschlafen unter Regengeprassel

Am nächsten Morgen hielt der Regen unvermindert an. Erst gegen 10 Uhr brach die Sonne durch. Dies war dann auch das passende und allseits willkommene Signal, aufzustehen. Nach dem selbst zubereiteten Frühstück mussten von den Teilnehmern die Koordinaten für das Tagesziel und weitere Aufgaben auf der Karte gefunden werden. Angesichts der überstandenen Mühen und der erholsamen Nacht unter dem beruhigenden Geräusch prasselnder Regentropfen auf Zeltbahnen waren die Ergebnisse wesentlich besser als am Vortag.

Frühstück und Koordinaten suchen

Die Marschroute war alsbald festgelegt und die Karte wanderte in die Hände des jüngsten Teilnehmers. Dieser musste nun die ganze Gruppe führen, was gut funktionierte. Nach einem kurzen Fußmarsch – der Regen hatte mittlerweile wieder eingesetzt – wurde mitten im Wald ein Lager am vorher errechneten Platz errichtet. Als der stattliche Bau aus Zeltbahnen und Schnüren fertig war, jeder seinen Schlafplatz am Boden oder in der Hängematte eingerichtet hatte, gab es die nächste Lektion.

Stattliches Zeltbahnlager

Erste-Hilfe-Kurs und kleine Schnitzeljagd

Ein erfahrener Leiter gab einen anschaulichen Erste-Hilfe-Kurs. Die sinnvollen Bestandteile eines Erste-Hilfe-Sets für verschiedene Situationen wurden vorgestellt und deren Anwendung gezeigt. Das Themengebiet der medizinischen Erstversorgung wird oft zu Unrecht belächelt. Doch was ist zu machen, wenn man sich beim Laufen verletzt oder wenn eine verletzte Person aufgefunden wird? Unsicherheit und Unkenntnis sind hier oftmals die Ursachen für falsche Entscheidungen. Dem gilt es vorzubauen durch Schulung.

Danach erfolgte noch eine Unterweisung hinsichtlich der unauffälligen Fortbewegung in Wald und Wiese. Hier gilt es auch immer zu erwähnen, dass wir uns als Gäste im Wald aufhalten. Die Lebensräume des Wildes sind daher zu achten. Das gilt gerade auch für die Wahl des Lagerplatzes. Sodann stand die nächste Aufgabe auf dem Plan: Ein Paket wurde musste von einem Punkt geborgen werden. Schnell waren zwei Gruppen eingeteilt, die dazu verschiedene Aufgaben zu übernehmen hatten. Wir wollen an dieser Stelle nicht zu viel für zukünftige Teilnehmer verraten, aber nach etwa zwei Stunden waren die Gruppen – der ein oder andere Teilnehmer etwas nasser als zuvor – mit dem geborgenen Paket wieder im Lager. Die Leckereien wurden aufteilt und genüsslich verzehrt. Bis zum Zapfenstreich saß man noch gemütlich am Feuer.

Schlechtwetter ist ‚rum – ab nach Hause

Am nächsten Morgen war der Sommer dann wieder zurückgekehrt. Kein Wölkchen stand mehr am Himmel und die Sonne schien aus voller Kraft durch die Bäume.

Sonntagmorgen: Der Himmel ist wieder blau, der Regen zu Ende, es geht ab nach Hause

Nachdem die Lagerstelle zurückgebaut war, zeugte am Ende nur noch das plattgesessene Moos von der Anwesenheit der Waldläufer. Sonst war der vorherige Zustand des Waldes wiederhergestellt. Für einen Teilnehmer hieß es sodann: Hier Zielpunkt, dort ungefähre Position, fünf Minuten zum Anfertigen einer Skizze, danach Führung der Gruppe übernehmen! Nach Ablauf der Zeit wurde die Karte wieder eingezogen und mit der angefertigten Skizze und dem Kompass ging es weiter.

Bei bestem Wetter mit Liedern auf den Lippen geht es schnell voran

Ein paar Extrameter waren drin, bevor man sich sicher sein konnte, auch wirklich eine falsche Abzweigung genommen zu haben, aber danach klappte die Navigation wie am Schnürchen. Bald war auch der Startpunkt wieder erreicht. Die Ammer wurde anschließend noch für ein ausgiebiges und erfrischendes Bad genutzt, bevor es auf den Heimweg ging.

Erfrischendes Bad in der Ammer

Zuhause angekommen wünschte man sich eigentlich wieder in dieses kleine Abenteuer zurück. Trotz heftigem Regen, Anstieg mit schwerem Gepäck und allerlei anderen Widrigkeiten bleiben vor allem die schönen Eindrücke dieses Wochenendes zurück. Die Kenntnisse in Orientierung und Erster Hilfe bleiben hoffentlich auch noch länger im Gedächtnis. Zumindest bis zum nächsten Waldläufer-Wochenende.

 

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