
In den Jahren 1524 und 1525 erhoben sich die Bauern im Deutschen Reich gegen die Ausbeutung durch ihre Feudalherren und die katholische Kirche. Die blutigen Aufstände erzielten eine bis dahin nicht gekannte Reichweite und können als die erste Massenbewegung in der deutschen Geschichte betrachtet werden. 2025 ist das Jahr, in dem sich der Deutsche Bauernkrieg zum 500. Mal jährt. In ganz Deutschland und insbesondere in den Regionen, die damals vom Bauernkrieg betroffen waren, finden zahlreiche Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen statt, um dieses historische Ereignis zu würdigen. Wir wollen in einer mehrteiligen Ausarbeitung die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe, den zeitlichen Ablauf und die Auswirkungen des Deutschen Bauernkrieges betrachten.
Bauernunruhen
Anbei eine chronologische Übersicht der wichtigsten Bauernaufstände im Deutschen Reich.
1476: Der „Pfeifer von Niklashausen“
Auf Wallfahrten mit bis zu 40.000 Menschen nach Niklashausen predigt Hans Böhm unter Berufung auf die Jungfrau Maria seine Ideale. Seinem Aufruf zum Aufruhr folgen 34.000 bewaffnete Bauern. Den Versprechungen des Bischofs glaubend, zerstreuen sie sich und werden anschließend überfallen, viele getötet oder verwundet. Auf Befehl des Mainzer Bischofs entführen nachts bewaffnete Reiter Böhm. Dieser wird als Ketzer am 19. Juli 1476 auf dem Schottenanger in Würzburg verbrannt.
Forderungen:
– Abschaffung des Zins
– Abschaffung der Steuern, des Zehnt und der Frondienste
– freie Benutzung der Wälder, des Wassers, der Brunnen und der Weiden
1491 – 1492: Holländischer Bauernaufstand
Der holländische Bauernaufstand wird durch Albrecht v. Sachsen in der Schlacht bei Heemskerk niedergerungen.
1492: Bauernerhebung in Kempten und im Allgäu
1493: Bundschuh-Verschwörung im Elsaß
Im deutschen Elsaß protestieren die Bauern gegen ein undurchsichtiges Rechtssystem, gegen zu hohe Steuern und die daraus entstehenden Verschuldungen der Höfe. Drei Gerichte (bäuerliches Schultheißengericht, geistliches Gericht des Bistums Straßburg sowie das kaiserliche Hofgericht in Rottweil sprechen im Elsaß Recht, bieten für Bauern aber keinen Rechtsschutz, so daß der Willkür der Feudalherren nicht Einhalt geboten wurde.
Der Begriff Bundschuh bezeichnet einen historischen Lederschuh, der mit einem langen Riemen gebunden wurde.
1497: Friesischer Bauernaufstand unter Syaard Aylva
Wird von Albrecht v. Sachsen unterdrückt.
1500: Bauernrepublik Dithmarschen
In der Schlacht bei Hemmingstedt schlugen am 17. Februar die Dithmarscher Bauern die zahlenmäßig weit überlegenen Truppen des dänischen Königs Johann I. und des Herzogs Friedrich von Holstein. Die Bauern siegten gegen das dänische Söldnerheer, obwohl die verbündeten Hansestädte und der formelle Landesherr, der Erzbischof von Bremen, den Dithmarschern keine Unterstützung gaben.

Der dänische König verlangte 1499 von den Dithmarscher Bauern die Anerkennung seiner Herrschaft, jährlich 15.000 Mark und den Bau dreier befestigter Residenzen. Um die freie Bauernrepublik (Freie Adelsbauern) Dithmarschen zu unterwerfen, zog Johann I. von Dänemark im Februar 1500 ein großes Heer aus Söldnern (Niederlande, Schwarze Schaar) zusammen.
Um den Widerstand zu brechen, setzten die Angreifer auf Grausamkeit. Nach der Eroberung von Meldorf sollen alle Bewohner, die nicht beizeiten die Flucht ergriffen hatten, niedergemetzelt worden sein. Doch statt aufzugeben, stärkte dieses brutale Vorgehen nur den Kampfgeist der Dithmarscher. Sie überließen die Geest dem Gegner und zogen sich in die tiefer gelegenen Marschen zurück. Ihre Zahl wird auf vier- bis sechstausend Bewaffnete geschätzt, deren Bewaffnung dem Gegner unterlegen war. Aber sie verfügten über Pultstöcke, lange Stäbe, mit denen sie sich springend über die Wasserläufe und Tümpel in den Marschen bewegen konnten.
An der Dusenddüwelswarft südlich von Hemmingstedt erwarteten die Bauern unter ihrem Führer Wulf Isebrand am 17. Februar 1500 den Gegner. An dieser Erhebung verlief die Landstraße von Holstein nach Heide; sie wurde mit einer Schanze blockiert. Einsetzendes Tauwetter erschwerte das Vorrücken der Dänen. Historiker haben errechnet, dass sich ihre Marschkolonne über fast zehn Kilometer erstreckte. Um die Ordnung des Feindes vollends aufzulösen, öffneten die Dithmarscher die Siele an den Deichen.
Während das dänische Heer buchstäblich im Schlamm steckenblieb, wechselten die Bauern mit ihren Springstöcken schnell ihre Positionen und konnten damit verhindern, dass sich die einzelnen Abteilungen der Dänen versammelten. Der Versuch von Oberst Slentz, mit seiner Kompanie die Warft zu stürmen, scheiterte. Ihre Gegner „behielten den Feind in der Falle, der wandte sich rechts und wandte sich links, doch der Tod war immer zur Stelle. Wer floh, den fasste die
(Dith-)Marsenfaust, wer stand, den fasste die Welle“. So hat Theodor Fontane in seiner Ballade „Der Tag von Hemmingstedt“ den Sieg der Dithmarscher beschrieben.
Die Bauern machten keine Gefangenen. Die „Schwarze Garde“ wurde aufgerieben, die Reste von Johanns Heer lösten sich auf. Im Gegensatz zu vielen Rittern konnte sich der König in Sicherheit bringen. Zwei Generationen lang konnten die Dithmarscher mit dem Sieg ihre Unabhängigkeit sichern. Erst 1559 gelang es dem dänischen König im Bündnis mit den Herzögen von Schleswig-Holstein, in der „Letzten Fehde“ die Bauernrepublik Dithmarschen niederzuwerfen. Allerdings wurde den neuen Untertanen weitgehende Autonomie zugestanden.
1502: Die Bundschuh-Verschwörung im Bistum Speyer
Die Bundschuh-Verschwörung im Bistum Speyer wird vor dem Losschlagen durch Verletzung des Beichtgeheimnisses aufgedeckt. Etwa 7.000 Männer und 400 Frauen sind Mitglieder der Bauernvereinigung. Zehn ihrer Anführer werden hingerichtet. Der Anführer Joß Fritz kann fliehen.
Forderungen:
– kein Zins und kein Zehnt
– Abschaffung der Leibeigenschaft
– es soll kein anderer Herr anerkannt sein als der Kaiser
1513: Die Bundschuh-Verschwörung zu Lehen (Freiburg)
Der Bundschuh-Gedanke verbreitet sich im Elsass und im Breisgau weiter. Die Bundschuh-Verschwörung zu Lehen wird ebenfalls vorzeitig aufgedeckt. Viele Aufrührer werden gefoltert, geköpft, gerädert oder gevierteilt. Die Stadt Freiburg jagt noch lange Jahre nach den Bundschuhern. Joß Fritz muß untertauchen und agiert im fortwährenden Wechsel zwischen Schweiz und Schwarzwald.
1514: Aufstand des Armen Konrad in Württemberg
Herzog Ulrich erhebt für den Krieg gegen Burgund neue Steuern, trotz seines maßlosen Lebenswandels. Nach Versprechungen seitens Ulrich bricht der Widerstand der Bauern zusammen. Im Zuge des Vertragsbruchs durch Herzog Ulrich werden 1.700 Bauern gefoltert, viele geköpft und ihre Dörfer geplündert. Der Protest richtete sich gegen die städtische Oligarchie, gegen den Betrug durch die Reduzierung der Maß-Gewichte und gegen die neuen Steuern.
1514 – 1516: Großer Bauernkrieg in Österreich
Zu Beginn des österreichischen Bauernkrieges erobern 80.000 bis 90.000 slowenische und deutsche Bauern gemeinsam Burgen, Schlösser und Klöster. Die Bauern teilen sich mit der Zeit in drei Heerlager auf und werden geschlagen. In der Krain konnte der Aufstand erst im Herbst 1516 durch den Überfall von Rain beendet werden. Die Rache des Adels läßt das Land für viele Jahre veröden. Anlaß des Aufstandes war die Erhebung einer neuen Landes-Steuer „im Namen des Kaisers“.
1517: Bundschuh-Verschwörung im Schwarzwald
Auch im Schwarzwald und Oberrhein gab es eine Bundschuh-Verschwörung unter der Führung von Joß Fritz, welche erneut scheiterte.
1520: Bauernunruhen in Tirol
Die Bauern in Tirol wollen Zinsen und Steuern verweigern. Kleine Unruhen brechen aus. Michael Gaismaier, später Anführer der Tiroler Bauern, arbeitet zu dieser Zeit als Schreiber unter dem berüchtigten Landeshauptmann Leonhard von Völs und lernt so die unredlichen Gepflogenheiten des Adels kennen.
1525 – 1526: Großer Deutscher Bauernkrieg
Am 6. März 1525 trafen sich in der freien Reichsstadt Memmingen, eine Hochburg der Reformation, etwa 50 Vertreter der oberschwäbischen Bauerngruppen, um sich über das gemeinsame Auftreten gegenüber des Schwäbischen Bundes zu beraten. Unter dem Gruppennamen Oberschwäbische Eidgenossenschaft verabschiedeten die schwäbischen Bauern die Zwölf Artikel und die Bundesordnung. Diese beiden sind die einzigen der vielen Programme des Bauernkrieges, die gedruckt wurden. Besonders die Zwölf Artikel wurden innerhalb der nächsten zwei Monate mit einer für die damalige Zeit ungeheuren Auflage von insgesamt 25.000 Exemplaren gedruckt und verbreiteten sich im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.
Ein zentraler Punkt der „Zwölf Artikel“ ist die Aufhebung der Leibeigenschaft. Die Bauern wollen aber auch ihren Pfarrer frei wählen dürfen, um sicher zu sein, dass er auch wirklich ihre Interessen vertritt. Sie fordern bessere Lebensbedingungen, das Recht auf Jagd und Fischfang, sie möchten an der Abholzung der Wälder teilhaben, und die Frondienste an die Herren sollen reduziert werden.
Die Feudalherren reagieren mit Unverständnis und Ironie. Im Bewusstsein ihrer Stärke ziehen sie sich auf das alte Recht zurück und zeigen sich nicht im Geringsten kompromissbereit.

Ein besonderes Charakteristikum dieses Krieges ist sein versetzter Ablauf. In manchen Regionen ist der Bauernkrieg schon beendet, während er woanders erst beginnt. Die Bauern organisieren sich in sogenannten „Haufen“: Der Begriff „Haufe“ kommt aus dem Militär. Es handelt sich um eine Einheit mit klaren Regeln und Dienstgraden. Jeder Haufen hat auch eine eigene Fahne.
Zuerst ziehen die Haufen der Bauern durch das Land. Sie plündern Klöster und stürmen Burgen; es gibt aber zunächst keine Gewalt gegen Personen. Das ändert sich im April 1525. Bei Leipheim in Schwaben kommt es am 4. April 1525 zur ersten Schlacht, in der der Leipheimer Haufen besiegt wird. Die Stadt Leipheim muss ein Strafgeld zahlen und die Führer des Haufens werden hingerichtet. Wenige Tage später, am 16. April 1525, stürmen aufständische Bauern die Stadt Weinsberg östlich von Heilbronn und richten den Grafen Ludwig von Helfenstein und seine Begleiter vor den Toren der Stadt hin.
Aufgrund dieser Ereignisse rüsten die Feudalherren massiv auf: Auf der einen Seite stehen nun die Heere der Landesfürsten und das Heer des Schwäbischen Bundes unter der Führung von Truchsess Georg von Waldburg. Auf der anderen Seite stehen die verschiedenen Haufen der Bauern.
Der Bauernkrieg beginnt am Hochrhein, zieht sich nach Oberschwaben und Franken, erreicht dann den Schwarzwald und das Elsass. Die Kämpfe setzen sich im Rheingau und in Thüringen fort, zum Schluss erreichen sie die Alpenländer.
In Frankenhausen kommt es im Mai 1525 zu einer der bedeutendsten Schlachten während des Bauernkrieges. Hier werden die Aufständischen unter Führung des Predigers Thomas Müntzer durch ein Fürstenheer vollständig besiegt.
Der Krieg hat fünf Schwerpunktgebiete
- Schwaben + Schwarzwald (Schwäbische Bund unter Truchsess Georg von Waldburg gewinnt durch Verhandlungen, Wortbruch und Kampf gegen die Bauern)
- Franken + Odenwald (Florian Geyer führt die Schwarze Schaar mit kurzer Unterstützung des Ritters Götz von Berlichingen gegen die Landesherren und wird letztlich bei Würzburg besiegt.)
- Elsaß (30.000 Landsknechte vernichten das Bauernheer; 18.000 tote Bauern, Tötung von Geiseln und Niederbrennung von mit Bauern verbündete Städte; Bauern aus der Pfalz, Nassau und Westerwald wurden in der Schlacht bei Pfeddersheim besiegt)
- Thüringen (Thomas Müntzer und das Bauernheer wird in der Schlacht bei Frankenhausen vernichtend geschlagen, anschließend wird Frankenhausen geplündert)
- Salzburg und Österreich
1. Salzburger Bauernaufstand endet mit Vergleich zw. Bauern und Kardinal
2. Salzburger Bauernaufstand wird niedergeschlagen.
Teil 1: 500 Jahre Deutscher Bauernkrieg: Ursachen, Verarmung und Reichsgedanke (Teil 1/3)
Teil 2: 500 Jahre Deutscher Bauernkrieg: Die Geschichte der Bauernunruhen (Teil 2/3)
Teil 3: 500 Jahre deutscher Bauernkrieg: Reformation, Niederlage und Empfehlungen (Teil 3/3) [+Videos]













