Fazit des Fackellaufs 2021

Dem vierten Fackellauf unter dem Motto „Ein Licht für Dresden“ im Jahr 2021 standen gleich mehrere Hindernisse im Weg. Um es vorweg zu nehmen: alle wurden erfolgreich gemeistert. Die Gesamtstrecke auf der ausgewählten Route erstreckte sich über eine Distanz von 371 Kilometern bei einem Anstieg von insgesamt 6372 Höhenmeter. Damit war dieser vierte Fackellauf der im Jahre 2017 ins Leben gerufenen Aktion der bislang Längste.

 

Doch nicht nur mit der Entfernung hatten wir in diesem Jahr zu kämpfen. Die fragwürdigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie der Regierung, gerade die nächtliche Ausgangssperre und die Kontaktbegrenzungen auf zwei Haushalte bedingten es, dass die ursprüngliche Planung komplett überdacht werden musste. Das wirklich winterliche Wetter machte es den Läufern letztendlich auch nicht einfacher. Die Schritte im teilweise tiefen Schnee zehren mehr an den Kräften und auch die Wegfindung ist nicht immer einfach, wenn sich der schneebedeckte Wanderweg nicht von der übrigen – schneebedeckten – Landschaft abhebt. Trotz alledem wurde das „Licht für Dresden“ von vielen wackeren Wanderern durch unsere Heimat bis in die namensgebende Stadt, das bei den schrecklichen Angriffen vom 13. bis 14. Februar 1945 schwer zerstörte Dresden, getragen. Zum ersten Mal leuchtete das Licht auch außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik, als es ein kleines Stück durch böhmisches Land getragen wurde, dass heute unter tschechischer Verwaltung steht.

Etappe 1: Aus Bamberg hinaus

Am Vormittag des 29. Januar 2021 entzündeten zwei nationalrevolutionäre Aktivisten vor einer Ehrentafel am Alten Rathaus in Bamberg die Laterne. Hier endete der Weg der Laterne im Jahr 2020 beim Fackellauf von Fulda nach Bamberg. Das Licht wird nun von hier aus zu seiner langen Reise nach Dresden antreten. Da für die erste Etappe nur eine Wegstrecke von etwa 20 Kilometern zurückzulegen ist, nehmen die beiden Läufer noch eine Extrarunde durch die Bamberger Innenstadt und zu dem Ehrenmal für die Gefallenen am Hauptfriedhof, bevor sie die Stadt in Richtung Osten verlassen. Die Wegverhältnisse sind gut und nach vier Stunden ist das erste Etappenziel erreicht.

Etappe 2: Durch das Bamberger Land mit dem Fahrrad

Die zweite Gruppe muss über 40 Kilometer zurücklegen. Da hier zwei begeisterte Radsportler unser AG „Körper und Geist“ am Start sind, werden die Drahtesel gesattelt. Was sich in der Theorie ganz locker anhörte, nämlich 41 Kilometer mit der Laterne zum Etappenziel und dann die gleiche Strecke zu dem am Start abgestellten Auto wieder zurück zu radeln, entpuppt sich bald, selbst für die geübten Sportler, als Herausforderung. Denn die Wege sind nicht wirklich radlgerecht. Nach dem Start geht es erst einmal noch relativ gemächlich bergauf. Doch mit der Höhe wird auch der Schnee auf den Wegen immer tiefer. Die hier verlorene Zeit versuchen die beiden Radler auf den wenigen geräumten Streckenabschnitten wieder wettzumachen. Nach etwa zweieinhalb Stunden ist es dann geschafft und die Laterne am Etappenziel des ersten Tages. Dort wird das „Licht für Dresden“ die Nacht über stehen bleiben, bevor es am nächsten Tag weitergetragen wird. Die beiden Radfahrer waren an diesem Tag insgesamt gute fünf Stunden unterwegs für 82 Kilometer über meist winterliche Wege.

Etappe 3: Im Tiefschnee durch das Kulmbacher Umland

Die dritte Etappe wurde wieder laufend zurückgelegt. Zwar hatten die beiden Wanderer wieder nur eine vergleichsweise kurze Strecke von 20 Kilometern vor sich, jedoch war dieser Streckenabschnitt bewusst in der Länge nur so kurz gewählt, denn es mussten etwa 670 Höhenmeter zurückgelegt werden. Der Schnee machte auch hier wieder den Wanderern zu schaffen. Auch wenn keiner der beiden komplett im Schnee versunken ist, wenn man bei jedem Schritt 15 bis 20 cm tief einsinkt, dann macht sich das irgendwann bemerkbar. Gerade die Anstiege über verschneite Pfade sorgten so bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt für wohltemperierte Körper. Doch der Schnee brachte nicht nur Nachteile mit sich. Der Augenschmaus, der sich beim Durchschreiten dieser Winterwunderlandschaft bot, war eine gute Entschädigung für die Strapazen. Auf einem Höhenkamm konnte zudem die herrliche Aussicht über das verschneite Kulmbacher Land genossen werden. Am Etappenziel, dem kleinen Örtchen Seifersreuth, das gegen Mittag erreicht wurde, wartete schon der nächste Trupp Lichtträger. Die beiden Läufer der dritten Etappe machten sich nach einer Stärkung wieder auf den Weg zurück zu ihrem Fahrzeug, das am Startpunkt abgestellt war.

Etappe 4: Von Seifersreuth nach Ahornberg

Das Pärchen, dass die nächste Etappe läuft, hat kurz davor noch den gemeinsamen jungen Sohn bei den Großeltern abgegeben, um nun das „Licht für Dresden“ weiterzutragen. Schnellen Schrittes werden die ersten Kilometer zurückgelegt. Noch geht es bequem bergab. Der erste Anstieg jedoch hat es in sich, an dem Südhang ist der Schnee sehr feucht und schwer. Hier ist das Herausziehen der bei jedem Schritt eingesunkenen Füße mühevoll. Der feuchte Schnee macht auch den Wanderstiefeln zu schaffen. Doch es muss vorangehen und so beißen sich die beiden durch. Es geht bergauf und bergab, durch winterlich verschneite Wälder und verträumte kleine Ortschaften. Die größere Ortschaft Helmbrechts wird dreieinhalb Stunden nach dem Start durchquert. Die Nässe ist mittlerweile auch zu den Füßen durchgedrungen und macht sich unangenehm bemerkbar. Besonders der letzte Wegabschnitt, bei dem der Wind scharf pfeift, wird so noch einmal zu einer besonderen Herausforderung. Doch der Blick auf die schöne Landschaft und auf das unbeeindruckt weiter flackernde Licht in der Petroleumlaterne erinnert die beiden an ihren Auftrag. Das Etappenziel Ahornberg wird planmäßig nach fünf Stunden erreicht. Hier wird das „Licht für Dresden“ die Nacht verbringen, bevor es am nächsten Tag weitergeht.

Etappe 5: Von Ahornberg über Oberprex zum Dreiländereck

Am Sonntagmorgen traf die nächste Gruppe Lichtträger im Schneetreiben in Ahornberg ein. Es galt, den Weg durch das Hofer Umland in Richtung Oberprex zurückzulegen. Einer der Läufer trägt einen großen schweren Rucksack. Hier ist alles Notwendige zum Übernachten im Freien drin. Der Rucksack mit einem Gewicht von ca. 25 Kilogramm sollte, wie das „Licht für Dresden“, für die nächsten zwei Tage ein Begleiter sein. Doch erst einmal galt es, voranzukommen, und das war im Schneetreiben gar nicht so einfach. Der angepeilte Feldweg zwischen Ahornberg und Weisslenreuth war aufgrund der Schneedecke nicht auszumachen. So musste querfeldein durch Schneewehen und teilweise moorigen Untergrund gelaufen werden. Hinter Weisslenreuth war der Wanderweg zumindest schemenhaft zu erkennen. Im zauberhaft verschneiten Nadelwald kam es zwar durch angeregte Unterhaltungen zu einem kurzen Orientierungsverlust, doch der mitgeführte Kompass war hier eine große Hilfe, denn Wege waren wieder nicht auszumachen. Das „Licht für Dresden“ leuchtete unermüdlich hinter den schwer schnaufenden, durch tiefen Schnee stapfenden Läufern. Beim Dämmerungseinbruch tauchte die Gruppe in einen größeren Wald in der Nähe zur Grenze nach Tschechien ein. Hier waren noch einmal alle navigatorischen Fähigkeiten gefragt. Der letzte Weg nach Oberprex wurde dann einfach nach Kompasspeilung querfeldein zurückgelegt. Ein Weg war aufgrund der durchgängigen Schneebedeckung eh nicht zu erkennen.

Vor dem vom bayerischen Innenministerium im Juli 2014 rechtswidrig beschlagnahmten Haus (siehe auch: Urteil Oberprex 47 – Beschlagnahmung war rechtswidrig!) wurde die Laterne an einen Läufer übergeben, der auch die nächste Etappe laufen wollte. Dieser schlug sich noch bis zum Dreiländereck durch. Hier wurde an einem einzelnen Soldatengrab eine Kerze entzündet, und über die schneebedeckte Lichtung an der Grenze zu Sachsen und Tschechien erklang das Lied „Ich hatt´ einen Kameraden“. Das Nachtlager wurde unweit davon im Grenzgebiet aufgeschlagen. Über einem kleinen Feuerchen bereitete sich der einzelne Lichtträger noch eine warme Mahlzeit vor, bevor er erschöpft in den Schlafsack kroch. Das „Licht für Dresden“ sendete die ganze Nacht hindurch sein warmes Licht in die kalte, eisige Nacht hinaus.

Etappe 6: Vom Dreiländereck nach Plauen

Um 5 Uhr morgens war die Nacht für den biwakierenden Lichtträger vorbei. Nachdem schweren Herzens der warme, gemütliche Schlafsack verlassen werden musste, ging es daran, ein kleines Frühstück zuzubereiten. Während Wasser auf dem Feuer köchelte, wurde geschwind das kleine Lager abgebaut. Der heiße Kaffee zusammen mit dem ebenfalls heißen Porridge machten wach. Mittlerweile hatte auch Schneetreiben eingesetzt. Vorbei an der immer noch brennenden Kerze an dem einsamen Soldatengrab ging es in der Dunkelheit, über den heute unter tschechischer Verwaltung stehenden Teil Böhmens, auf den Kolonnenweg der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Beim Zurückblicken sah man immer noch das warme Licht der Kerze an dem einsamen Soldatengrab. An einem alten Wachturm wartete der Lichtträger auf einen Kumpan. Gemeinsam ging es sodann durch die wunderbare verschneite Landschaft dem Etappenziel Plauen entgegen. Ein Mitglied des SP Vogtland wartete zur erfreulichen Überraschung der Lichtträger an der Strecke und reichte heißen Glühwein. Am Nachmittag um 15 Uhr war dann schließlich das Parteibüro im Plauener Stadtteil Haselbrunn erreicht. Auf dem Weg kamen die Lichtträger mit vielen Spaziergängern ins Gespräch, denen jeweils der Hintergrund der Aktion erläutert wurde. Am Parteibüro P130 übernahm der Stadt- und Kreisrat Tony Gentsch das „Licht für Dresden“. Der Lichtträger, der am Vortag die fünfte Etappe angetreten hatte, brachte es auf eine Marschleistung von insgesamt 69 Kilometern an den beiden Tagen.

Etappe 7 und 8: Von Plauen über die Göltzschtalbrücke nach Zwickau

Am Freitag, den 5. Februar 2021, trugen Plauener Wanderer das „Licht für Dresden“ weiter. Über die Talsperre Pöhl ging es bei windigem Wetter immer weiter in Richtung Osten. Vor dem herrlichen Panorama der größten Ziegelsteinbrücke der Welt, der Göltzschtalbrücke, erfolgte die Übergabe an die nächste Plauener Truppe. Diese trug das Licht weiter bis nach Zwickau, wo die Laterne wieder über Nacht verblieb.

Etappe 9: Von Zwickau nach Limbach – Oberfrohna

Zu früher Stunde brachen die Zwickauer Lichtträger auf. Die Straßen der Stadt waren wie leergefegt und im Schneetreiben zog man, das „Licht für Dresden“ über der Schulter, guter Dinge und motiviert los. An der Zwickauer Mulde entlang ging es aus der Stadt hinaus nach Nordosten. Als der Schneefall aufhörte, kamen die Lichtträger hier in den besonderen Genuss, den Sonnenaufgang zu beobachten. Mehrere kleine Ortschaften wurden durchquert und wo ein Kriegerdenkmal zu finden war, hinterließen die Lichtträger nach einer kleinen Gedenkminute brennende Kerzen. Südlich an Glauchau vorbei zogen die Wanderer mit dem „Licht für Dresden“ zügig in Richtung des Etappenziels. Dieses musste unbedingt zur ausgemachten Zeit erreicht werden. Vor einem Soldatenehrenmal in der sächsischen Kreisstadt Limbach-Oberfrohna wurde das Licht für Dresden dann von den westsächsischen Aktivisten an die nächste Läufergruppe weitergegeben.

Etappe 10: Von Limbach – Oberfrohna nach Oederan

Die Läufer aus dem Sauerland hatten eine lange Etappe mit über 40 Kilometern vor sich. Sich dessen bewusst, legten die beiden auch von Anfang an ein zackiges Tempo vor. Durch die sächsischen Wälder und Felder ging es mit dem Licht gut voran. Als die Nacht hereinbrach und die Temperaturen merklich anzogen, gab es in einem verschneiten Wald einige Komplikationen. Durch umgestürzte Bäume war der Weg versperrt und ein Rinnsal, welches sonst offenbar leicht übersprungen werden kann, ist durch den Niederschlag und die teilweise Schneeschmelze auf etwa 4 Meter Breite angeschwollen. Zusammen mit dem vierpfötigen Begleiter wurde schließlich ein schneebedeckter Baumstamm als Behelfsbrücke herangezogen. Der sächsische Waldhindernispfad verlangte den Läufern, darunter auch der Landesvorsitzende West, Julian Bender, alles ab. Zwar wurden die Hürden alle gut genommen, jedoch ging hier viel der kostbaren Zeit verloren. Als dann schließlich Oederan erreicht wurde, hatten die sauerländischen Lichtträger 42,3 Kilometer in 9 Stunden und 11 Minuten zurückgelegt. In Anbetracht der Wegverhältnisse eine ordentliche Leistung. Vor der Kirche in Oederan, der Stadt des Klein Erzgebirges, erfolgte die Übergabe an die nächste Läufertruppe vom Stützpunkt Mittelsachsen.

Etappe 11: Von Oederan nach Klingenberg

Die mittelsächsischen Läufer hatten eine lange und kalte Nacht vor sich. Über 30 Kilometer Wegstrecke galt es zurückzulegen. Bei dem Laufen bei Nacht ist bezüglich der Navigation auch immer eine besondere Herausforderung. Hier kam noch die eisige Kälte hinzu. Doch unbeirrt aller Hürden, die wackeren Sachsen trugen das „Licht für Dresden“ durch die eisige, dunkle Nacht. Belohnt wurde für die Strapazen dann in der Morgendämmerung, als die Sonne bei klarem Himmel in der Laufrichtung Osten aufging. Am Rande des kleinen Örtchens Klingenberg wurde das Licht dann an die letzte Etappe übergeben.

Etappe 12: Von Klingenberg nach Dresden

Hier, bei der zwölften und letzten Etappe, lief auch einer der Organisatoren der Gedenk-Demonstrationen in Dresden mit. Durch den Tharandter Wald ging es am Sonntagmorgen weiter in Richtung Elbflorenz. An verschiedenen Denkmälern wurden wieder Kerzen abgestellt und in stiller Andacht verweilt. So mancher Sonntagsausflügler wurde bei Nachfragen über den Hintergrund der Aktion aufgeklärt. Am späten Nachmittag überschritten die Lichtträger mit der Laterne schließlich die Stadtgrenze Dresdens. Zum Ziel, dem Denkmal am Heidefriedhof, waren jedoch noch einige Kilometer zurückzulegen. Ein Teil der Strecke führte an den Elbwiesen vorbei. Auf diese Flächen versuchten sich viele Dresdner nach den Angriffen der britischen Bomber zu retten. Doch die amerikanischen Tiefflieger, die mit dem Morgengrauen kamen, hämmerten erbarmungslos mit ihren Maschinengewehren in die wehrlosen Menschenmassen. Das ganze Ausmaß des verbrecherischen Großangriffs auf die Stadt lässt sich heute kaum erahnen.

Gegen Abend war das Etappenziel, der Heidefriedhof mit dem zentralen Denkmal für die Bombentoten, erreicht. Hier erstrahlte nun das „Licht für Dresden“, welches die Jahre zuvor durch das Land getragen wurde. Das Licht und die Läufer waren damit am Ziel.

Resümee

Der Fackellauf im Jahr 2021 konnte trotz aller Schwierigkeiten durchgeführt und das „Licht für Dresden“ planmäßig zum Heidefriedhof in Dresden getragen werden. Jedem der teilnehmenden Läufer wird diese Aktion und der tiefere Sinn dahinter im Gedächtnis bleiben. Jeder war hier wieder Teil eines großen Ganzen. Der gemeinsame Wille hat gesiegt über Entfernungen, widrige Witterungsbedingungen und repressive Corona-Bestimmungen. Am 13. Februar 2021 werden wir zusammen mit anderen den deutschen Opfern des alliierten Bombenterrors eine Stimme verleihen. Eine Stimme, die sonst kaum einer mehr wagt, in dieser Sache zu erheben. Wir schweigen jedoch nicht. Unserer politischen Forderung nach einem deutschlandweiten Gedenktag für die Bombentoten an jedem 13. Februar werden wir am kommenden Sonnabend in der sächsischen Landeshauptstadt Nachdruck verleihen.

Die einzelnen Meldungen können im Liveticker nachgelesen werden:

Liveticker: Wir tragen das „Licht für Dresden“ weiter

Siehe auch:

Fazit des Fackellaufs 2020

Fazit des Fackellaufs 2018

 

Fazit des Fackellaufs: Wir tragen das „Licht für Dresden“ weiter

 

 





  • Danke!
    Mit dem Herzen in Gedanken dabei.
    Ein Gruß aus DSWA, “Namibia”.

    Maryke Rust 13.02.2021
  • Mein Fazit: einsame Spitze!

    Liebe Grüße
    Manuela

    ManuJeanne 12.02.2021
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