Fazit des Fackellaufs 2018

Der Fackellauf „Ein Licht für Dresden“ führte im Jahr 2018 über sechs Etappen von Nordhausen nach Fulda. Knapp 50 Personen, Läufer und Helfer trugen dazu bei, dass die Petroleumlaterne mit dem Licht vom 27. Dezember 2018 bis zum 30. Dezember 2018 über 250 Kilometer, in der Art der olympischen Fackelläufe weitergetragen wurde (siehe auch: Vorankündigung: Wir tragen das „Licht für Dresden“ weiter.

Viel Planung wurde im Vorfeld wieder in das Vorhaben gesteckt, Routenpläne wurden anhand von Kartenmaterial und mithilfe von Wanderführern erarbeitet und an die Läufer der einzelnen Etappen als Vorschlag übermittelt. Der Stützpunkt Pfalz verlegte auch dieses Jahr wieder dankenswerter Weise seine traditionelle Winterwanderung auf die Strecke und sicherte sich die Etappe von Bad Salzungen in Thüringen bis nach Tann in der Rhön. Um diese herum musste die restliche Wanderung ausgerichtet werden, was für die ersten Etappen einen sehr straffen Zeitplan bedeutete. Im Jahr 2017 wurde der „Fahrplan“ noch großzügig berechnet, mit einer angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,5 km/h und einem Puffer von bis zu 2 Stunden pro Etappe, konnten sich die Läufer Zeit lassen und ausgedehnte Pausen einlegen. In diesem Jahr musste der Plan mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h berechnet werden, was bei längeren Wanderungen durch unbekanntes Gelände mit festen Endpunkten schon sportlich ist. Der Puffer betrug nur 1 Stunde und bei der zweiten Etappe sogar nur eine halbe Stunde. Es war also von vornherein klar, dass die Herausforderungen des Fackellaufs 2018 bezüglich der sportlichen und navigatorischen Fähigkeiten höher sind als im Jahr 2017.

Auch im Jahr 2018 gab es wieder Unfälle und Verletzungen, wie sie bei solchen Unternehmungen nicht ausbleiben. Besonders betroffen war hiervon die dritte Etappe, die sich bei Nacht unter Zeitdruck durch schwieriges Terrain bewegen musste. Gleich beide Läufer verletzten sich so schwer, dass sie abbrechen mussten. Wir wünschen ihnen auf diesem Wege noch einmal gute Besserung. Trotz dieser Komplikationen, einem Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 88 km/h, mit dem die letzte Gruppe in der Rhön zu kämpfen hatte und der übermütigen hessischen Polizei, die auch mitspielen wollte, kam das Licht am Zielort in Fulda an.

Etappe 1: Von Nordhausen nach Ebeleben

Die Läufer der ersten Etappe aus Berlin, Brandenburg und der Uckermark hatten im Vorfeld gut geplant und waren nicht nur personell gut ausgestattet. Zehn Läufer von 16 bis 67 Jahren entzündeten in einer kleinen Zeremonie um 8 Uhr morgens am 27. Dezember 2018 in Nordhausen die Laterne und legten ein ordentliches Tempo auf dem Weg nach Süden vor. Auf ihrer Etappe wurden sie bei bestem Wetter noch von zwei Versorgern begleitet, die sich um sie kümmerten. Kurz vor dem Ort Straußberg bei einer Steigung von 10% hatte die Gruppe ihren ersten und einzigen Ausfall. Das Versorgungsteam nahm die Person auf und der Rest konnte ohne Unterbrechung weiter dem Ziel entgegenziehen.

Kurzer Fotohalt der ersten Etappe

Für eine kleine Pause wurde später von den Versorgern an einem vorher vereinbarten Punkt ein verspätetes Frühstück vorbereitet. Nach 15 Minuten Rast ging es weiter. Die 32 Kilometer und 400 Höhenmeter Aufstieg legte der Trupp in einem sportlichen Tempo zurück und es gelang ihm eine Punktlandung am Etappenziel in Ebeleben. Dort kamen sie um 14:59 Uhr, eine Minute vor der vereinbarten Zeit, an. Dort wurde sodann das Mittagessen eingenommen, bevor es wieder nach Hause ging.

Etappe 2: Von Ebeleben nach Mühlhausen

Am Kriegerdenkmal in Ebeleben nahmen drei Läufer vom Stützpunkt Oberfranken die Laterne an sich. In der Gruppe lief noch ein Mitglied aus dem Stützpunk Nürnberg-Fürth mit. Vor ihnen lagen 27 Kilometer, die größtenteils in der Nacht zurückzulegen waren, was die Navigation erschwerte. Hinzu kam, dass dieser Gruppe nur 30 Minuten Puffer zur Verfügung standen. Nach der Ortschaft Schlotheim mussten sie zudem über freies Feld navigieren.

Am Denkmal in Schlotheim

Um rechtzeitig am Ziel anzukommen, entschieden sich die Läufer schließlich, entlang einer Bahnstrecke weiterzulaufen und später entlang der Bundesstraße. Das Fortkommen war hier einfacher als über Stock und Stein. Die letzten Kilometer wurden fast im Laufschritt zurückgelegt. Der sportlichen Einlage war es zu verdanken, dass auch das imposante Kriegerdenkmal in Mühlhausen zur vereinbarten Zeit um 20:30 Uhr erreicht wurde. Hier wartete schon die Ablösung.

Etappe 3: Von Mühlhausen nach Eisenach.

Für die heikle Nachtetappe von Mühlhausen nach Eisenach haben sich zwei Läufer gemeldet. Diese stammen aus dem Stützpunkt Rheinhessen und aus Mainfranken. Von 20:30 Uhr bis 4 Uhr morgens war die Zeit berechnet, die Etappe mit dem Abstieg durch den Hainacher Forst zu meistern. Auf den Wegen im alten Buchenwald kann man sich schnell verlaufen, gerade bei Nacht. Bis Kammerforst sind die Läufer gut unterwegs gewesen. Mit Marschliedern auf den Lippen kamen sie an einem Versorgungsstand kurz vor dem Wald an. Hier tankten die beiden noch einmal Kraft und konnten sich mit heißen Getränken oder Leckereien eindecken.

Am Versorgungsstand kurz vor dem Wald

Um ca. 2 Uhr passierte es dann jedoch. Einer der Männer verdrehte sich beim steilen Abstieg auf matschigem Weg das Knie. Ein Weitergehen war nur noch schwerlich möglich. Der Mann schleppte sich trotzdem weiter, auch der zweite Läufer war angeschlagen und konnte sich nicht mehr ordentlich bewegen. Mit letzter Kraft und unter Schmerzen erreichten die beiden die Ortschaft Mihla. Diese liegt 11 Kilometer vom eigentlichen Etappen-Endpunkt entfernt. Die Läufer der nachfolgenden Etappe kamen glücklicherweise nach Mihla und übernahmen dort um 4:30 Uhr die Laterne von den verletzten Kameraden.

Etappe 4: Von Mihla nach Möhra

Die Gruppe aus Erfurt musste früh aufstehen. Gegen 3 Uhr verließen sie die thüringische Landeshauptstadt, um sich nach Eisenach zu begeben. Kurz vor Erreichen des Startpunktes meldete jedoch die vorherige Gruppe den Unfall. Nun war Improvisation gefragt. Die Gruppen vereinbarten, sich in Mihla zu treffen. Dort übernahmen die Erfurter das Licht und ließen den Verletzten Hilfe zukommen. Der Übergabepunkt Mihla befindet sich ca. 10 Kilometer nördlich vom ursprünglichen Startpunkt. Schnellen Schrittes setzten sich also die drei Läufer in südlicher Richtung in Bewegung. Die Stadt Eisenach wurde um halb sechs noch in Dunkelheit durchquert. Das südlich gelegene Naturschutzgebiet „Wartburg Hohe Sonne“ bot neben dem besonders in der hereinbrechenden Morgendämmerung malerischen Wald jedoch auch einige Steigungen.

Morgendämmerung im Wald

Die Läufer erreichten hier ihre Grenzen, aber die malerische Landschaft, die sich in der Morgendämmerung teilweise nebelumhüllt den Lichtträgern darbot, entschädigte schon für einige Strapazen. Klar war jedoch auch, dass das Etappenziel Bad Salzungen nicht zur vereinbarten Zeit um 10 Uhr erreicht werden würde. Um halb zwölf durchquerte die Gruppe Kupfersuhl, die nächste Etappe, die große Wandergruppe aus West lief den Erfurtern entgegen. Als Übergabeort wurde kurzfristig Möhra, der Stammsitz der Familie Luther, auserkoren. Kurz vor Mihla verstauchte sich einer der Erfurter noch den Fuß und musste abgeholt werden. Die beiden anderen Läufer erreichten gegen 12:00 das Lutherdenkmal in Möhra. Hier erfolgte die Übergabe an die große Wandergruppe aus West.

Etappe 5: Von Möhra nach Tann

Die Wandergruppe aus West startete somit ihre traditionelle Winterwanderung nicht in Bad Salzungen, sondern in Möhra. Strammen Schrittes ging es nach Süden. Das Tagesziel, eine Unterkunft, sollte trotz der Verspätung noch zeitig erreicht werden. Nach Bad Salzungen ging es über Langenfeld, den Pleß und die Stoffelskuppe nach Roßdorf. Den Weg über boten sich den Läufern schöne Bilder, es schien als wenn Nebel und Sonnenstrahlen gegeneinander stritten.

Landschaftlich äußerst reizvoll, die Etappe fünf

Nach einer Tagesetappe von 39 Kilometern und 870 erstiegenen Höhenmetern erreichten die Lichtträger wohlbehalten die Unterkunft. Hier fand zu später Stunde noch eine kleine Feierstunde statt und der mitwandernde Liedermacher sorgte mit der Gitarre für einen schönen Abend. Die Strapazen des Tages waren schnell vergessen.

Am nächsten Morgen stecken allen noch die Anstrengungen des Vortages in den Knochen. Es galt jedoch noch knapp 20 Kilometer nach Tann zu laufen und einen Aufstieg von insgesamt ca. 550 Höhenmetern zu absolvieren. Die Wege waren vereist und machten das Laufen dadurch nicht einfacher. Gegen Mittag wurde Kaltennordheim durchquert und es ging weiter in Richtung der Landesgrenze zu Hessen.

Am nächsten Tag hat der Nebel die Oberhand

Dort waren im Übrigen schon die Ordnungshüter alarmiert, die mit Streifenwägen die Grenze abfuhren und Ausschau nach der Gruppe hielten. Gefahndet wurde nach 10 Personen im Alter von 40 bis 50 Jahren wie es aus Polizeikreisen hieß. Woher die Fehleinschätzung des Alters der Gruppe kam, konnte nicht abschließend geklärt werden. Der hessischen Polizei gelang es auf jeden Fall nicht, die Gruppe aufzuspüren, sodass diese unbehelligt mit eineinhalbstündiger Verspätung und total erschöpft Tann erreichte. Dort fand am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof die Übergabe an die nächste Gruppe statt.

Etappe 6: Von Tann über die Wasserkuppe nach Fulda

Die Läufer der letzten Etappe hatten sich ein sportliches Ziel gesetzt. Von Tann aus sollte es an der ehemaligen innerdeutschen Grenze entlang bis zum Dreiländereck nach Süden und dann in westlicher Richtung über Wüstensachsen, den Schafstein und die Wasserkuppe nach Fulda gehen. Für dieses wagemutige Unternehmen, das sich ganz speziell an die Sportler und die „alten Marschierer“ richtete, fanden sich Läufer aus den Stützpunkten Ostbayern, Mainfranken und Nürnberg/Fürth zusammen. Darunter auch Läufer, die regelmäßig an den 60-Kilometer-Märschen in Budapest teilnehmen.

Nach der Übergabe am Kriegerdenkmal in Tann startete man im Regen. Es ging wieder in Richtung Osten, bergauf in Richtung Kleinfischbach. Die hessische Polizei belästigte die Wandergruppe hier durch ein Zivilauto, dass gefühlt zehnmal an der Gruppe vorbeifuhr, bis mit Verstärkung von zwei Streifenwägen der „Zugriff“ erfolgte. Es dauerte knapp 30 Minuten, bis die Beamten sämtliche Personalien der offenbar für extrem gefährlich gehaltenen Läufergruppe an die Zentrale durchgegeben hatten. Als die sinnlose Polizeiaktion beendet war, ging es weiter durch den mittlerweile dichten Nebel in die nasse Nacht. Südlich von Kleinfischbach wurde die Landesgrenze wieder überquert und der Weinberg erstiegen. Hier fand eine erste kleine Rast statt und zwei Aktivisten erstiegen einen leerstehenden Wachturm des untergegangenen DDR-Regimes. An der Spitze wurde im stürmischen Wind eine Leuchtfackel entzündet. Das „Licht für Dresden“ leuchtete so grell in die Nacht hinaus.

Ein ehemaliger Grenzturm des DDR-Regimes sendet ein „Licht für Dresden“

Währenddessen bereitete im Inneren des Turms vor Wind und Wetter geschützt ein anderer Läufer einen wärmenden Tee zu. Danach ging es weiter durch den stärker gewordenen Schneeregen auf dem alten Kolonnenweg entlang der Grenze. Gegen den Wind wurden Soldatenlieder geschmettert und in guter Stimmung ging es so, trotz des nicht gerade schönen Wetters, dem nächsten Berg entgegen. Am Hang des Staufelsberges war der Kolonnenweg komplett zugewachsen. In dem steilen unzugänglichen Gelände waren jedoch noch einige Grenzsperranlagen wie der äußere Stacheldrahtzaun und Grenzpfähle erhalten.

Der Anstieg der ca. 220 Höhenmeter war in dem unwegsamen Gelände äußerst beschwerlich und kostete viel Zeit. Die Navigation erfolgte hier ausschließlich per Kompass, da entweder der Wald oder der dichte Nebel die Orientierung per Karte unmöglich machten. Nach einem kurzen „Blindflug“ erreichte die Gruppe die Verbindungsstraße zwischen Simmersheim und Oberweid, wenige Meter neben dem nun wieder vorhandenen Kolonnenweg. Nicht nur hier zahlte sich die ordentliche Ausbildung, die der Gruppenführer der letzten Etappe vor Jahren bei der Bundeswehr durchlaufen hatte, aus.

Auf dem Kolonnenweg ging es nun in Richtung Frankenheim stetig bergauf. Der Regen ging aufgrund der Höhe glücklicherweise in Schnee über. Drei Teilnehmer der Wanderung, davon zwei mit Gelenkproblemen und der jüngste, ein 16-jähriger Teilnehmer, meldeten jedoch anhaltende Schwierigkeiten. So entschloss man sich einen Abstecher nach Frankenheim zu machen, wo die drei abgeholt werden konnten. Bis dahin hatte die Gruppe 22 Kilometer zurückgelegt und einen Aufstieg von 1018 Höhenmetern genommen. Frankenheim wurde gegen 23 Uhr erreicht.

Aufstieg kurz vor Frankenheim

Die verbleibenden fünf Männer setzten ihren Weg durch die eisige Nacht fort. Der Wind nahm zu und bald schien es, als ob der Schneeregen waagrecht von der Seite kommt. Am Dreiländereck vorbei ging es wieder hinab nach Wüstensachsen. Hier rastete man kurz, bevor man sich an den Aufstieg zur Wasserkuppe machte. Am malerischen Kriegerdenkmal entzündeten die fünf komplett durchnässten Wanderer zu später Stunde noch Kerzen, bevor es mit der leuchtenden Petroleumlaterne den Berg hinaufging. Der Aufstieg war letztendlich einfacher als gedacht. Lediglich um den Schafstein (823 m) herum war es kniffelig, den Weg in dem dichten Nebel zu finden. Die Sichtweite betrug kaum mehr als 10 Meter. Glücklicherweise ist der Wanderweg an vielen Bäumen gekennzeichnet, denn aufgrund des Schnees war auch kein Pfad am Boden ersichtlich. Am Schafstein ging es im Zick-Zack ein Geröllfeld hinauf und oben erwartete die fünf Gesellen ein äußerst schneidiger Wind. Weiter ging es zur Wasserkuppe die um ca. 4 Uhr morgens erreicht wurde. Die Navigation klappte auch hier nur dank eines Kompasses in Verbindung mit einer ordentlichen Karte. Kurz vor der Wasserkuppe wurde eine windgeschützte Stelle genutzt, um mit mitgebrachten Fackeln ein kleines Feuer zu entzünden und ein karges Frühstück einzunehmen. Um der Unterkühlung vorzubeugen, musste es jedoch schnell weitergehen. Die vollkommen durchnässten Klamotten und der starke Wind (in dieser Nacht herrschte auf der Wasserkuppe ein Sturm mit Windstärke 9) zerrten an den Kräften. Die Uhrzeit tat ihr Übriges, schließlich waren die Wanderer bereits seit etwa 12 Stunden unterwegs. Es muss ein seltsames Bild gewesen sein, wie die fünf Gestalten, die nach der Rast alle vor Kälte zitterten, einsam mit ihrer Laterne durch den Schneesturm zogen. Der hervorragenden Ortskenntnis eines Aktivisten war es zu verdanken, dass im dichten Nebel das Fliegerdenkmal gefunden wurde. Kerzen konnten hier, bei einer gemessenen Windgeschwindigkeit von bis zu 88 km/h nicht entzündet werden, selbst die Läufer konnten sich auf den vereisten Steinen kaum auf den Beinen halten.

Das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe, im dichtem Nebel kaum zu erkennen

Der Abstieg nach Abtsroda war äußerst steil und matschig, allerdings windgeschützt, was eine gewisse Erleichterung darstellte. Nach Abtsroda entschied man sich aufgrund der allgemeinen Erschöpfung den längeren, aber mit weniger Anstiegen verbundenen Weg über die Bundesstraße B458 nach Fulda zu nehmen. Der Verkehr war zu dieser frühen Stunde auch gering, sodass man gut vorankam. Gerade der Gruppenführer nutzte den Streckenabschnitt – nun von der Tätigkeit des Kartenlesens befreit – zum „Entspannen“. Bei Dipperz, nach 56 Kilometern, waren bei drei weiteren Läufern die Schmerzen und die Erschöpfung zu groß. In der Ortsmitte ließen sie sich abholen. Die beiden verbliebenen Läufer aus dem Stützpunkt Nürnberg/Fürth zogen weiter Richtung Fulda. Hinzu stießen noch zwei Mann, die in der Nacht zuvor in Frankenheim abbrechen mussten, um die restlichen Kilometer wieder mitzulaufen. Das Ziel in Sichtweite bewegte man sich schnellen Schrittes auf Fulda zu. In der Stadt selber war auch umgehend ein Streifenwagen zur Stelle, der die offenbar noch immer gefährlichen Läufer begleitete. Als die Polizei drei Streifenwägen mit insgesamt sechs Mann Besatzung zusammen hatte, wurden die Läufer angehalten und unter Androhung von Zwang am Weitergehen gehindert. Ein Platzverweis für den Innenstadtbereich wurde erteilt, die Begründung lautete, dass Verstöße gegen das Versammlungsgesetz vermutet werden. Mit den trotzigen Reaktionen der Männer, die in den letzten 17 Stunden 64 Kilometer zurückgelegt und 1758 Meter Aufstieg erstiegen hatten, haben die Beamten jedoch offenbar nicht gerechnet. Gegen die Willkürmaßnahme wurde an Ort und Stelle eine Spontankundgebung abgehalten, die sogar noch Verstärkung von Unterstützern vor Ort erhielt.

Spontankundgebung gegen Polizeiwillkür in Fulda

Das eigentliche Ziel, das Ordnungsamt Fulda, wo symbolisch die Anmeldung eingeworfen werden sollte, konnte durch die polizeiliche Maßnahme zwar nicht erreicht werden, aber über einen Trick konnte das „Licht für Dresden“ an dem geplanten Zielpunkt, einem Fuldaer Denkmal für Bombenopfer, entzündet werden. Über zwei Stunden mussten die Polizeibeamten nun ausharren, bis die Kundgebung beendet wurde. Informationen zufolge wurden währenddessen sämtliche Polizeibeamten in Fulda angewiesen, an Friedhöfen und Denkmälern nach „rechtsgerichteten Personen“ Ausschau zu halten. Die Verhandlungen der Polizei mit den Aktivisten trugen indessen seltsame Früchte. Die Polizeiführung bot sogar eine Art Shuttle-Service mit den Polizeiautos an einen Ort der Wahl an, Bedingung war nur, dass dieser nicht in Fulda liegt.

Als nach zwei Stunden die Spontankundgebung beendet wurde, machten sich die Läufer geschafft, aber glücklich auf den Weg in Richtung Heimat. Der Fuldaer Polizei stand noch eine lange Nacht bevor. Wegen der willkürlichen Repressalien, mit denen die Lichtbringer am Weitergehen gehindert wurden, fanden in den späten Abendstunden mehrere Eilversammlungen statt (siehe auch: Eilversammlungen gegen staatliche Repressionen in Fulda.

Resümee

Alle Beteiligten der mehrtätigen Aktion haben vielfältige Eindrücke gewonnen. Goethes Ausspruch „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, können wohl alle unterschreiben. Neue Gebiete unserer schönen Heimat wurden kennengelernt und die sportliche Herausforderung blieb im Jahr 2018 auch nicht aus, ganz im Gegenteil. Alle Etappen verlangten den Läufern alles ab. Die letzte Etappe auf dem Gebiet Hessens mit einer Polizeiführung, die sich hyperrepressiv gebart und so jegliches Engagement von nationaler Seite im Keim zu ersticken suchte – was nicht nur hier jedoch das genaue Gegenteil bewirkte – gab der Aktion auch eine gewisse Öffentlichkeit, was zu begrüßen ist.

Passanten und andere Wanderer, die auf der 250 Kilometer langen Route angetroffen wurden und mit denen man ins Gespräch kam, wurden über den Hintergrund der Aktion mit den seltsam anmutenden Laternenträgern aufgeklärt. Die Reaktionen waren durchweg positiv, auch in Fulda selber, wo natürlich Passanten auf die Spontankundgebung aufmerksam wurden. Zusammenfassend ist die Unternehmung also durchaus positiv verlaufen. Die Ausfälle durch Verletzungen sollen hierbei nicht unter den Tisch fallen, aber sie sind bei derartigen ausgedehnten Wanderungen unter teilweise widrigen Bedingungen einzukalkulieren. Zu schwerwiegenden Unfällen mit bleibenden Schäden ist es auch glücklicherweise nicht gekommen. Jeder Teilnehmer wird auch umfassende eigene Eindrücke mit nach Hause nehmen und kann auf die erbrachte Leistung als Einzelner und in der Gruppe stolz sein. Unser Dank gilt somit auch allen Personen, die den Fackellauf 2018 durch ihre Unterstützung mit ermöglicht haben, wir sehen uns am 16. Februar 2019 in Fulda, um unserer Forderung nach einem zentralen Gedenktag für die Bombenopfer gemeinsam Ausdruck zu verleihen.

Weitere Informationen

Hier geht es zum Flickr-Album mit einigen gesammelten Impressionen des Fackellaufs 2018: Fackellauf „Ein Licht für Dresden“ 2018

Hier ist der Liveticker zum Nachlesen: Liveticker [Stand 30.12., 14:25 Uhr]: Wir tragen das „Licht für Dresden“ weiter

Alle Informationen zur geplanten Veranstaltung in Fulda: „Ein Licht für Dresden“ am 16. Februar in Fulda





4 Kommentare

  • Meinen Respekt an alle die Mitgeholfen haben! Wir sind auch bereit!

    envm_ 11.01.2019
  • Deutschland ist größer als die BRD.

    Pierre Granderath 09.01.2019
  • Vorwärts für Deutschland

    Pierre Granderath 09.01.2019
  • Gelebte Erinnerungskultur. Das müßte doch eigentlich im Sinne derer sein, die immer von einem ,, niemals Vergessen“ daherreden. Dabei wünsche ich den Tag herbei, an dem sich niemand durch Nacht und Nebel schleichen muß, wenn er der Opfer des Bombenterrors gedenkt. Polizeieskorten sollten vielmehr die Straßen freihalten, um am hellichten Tag durch Städte und Dörfer ziehen zu können, umsäumt von winkenden und applaudierenden Menschenmassen, die jede Form von Unterdrückung und Krieg für immer aus ihrem Leben verbannt haben.

    Scharf 06.01.2019