
Auf dem letzten Stützpunktabend der III. Weg-Aktivisten aus dem Westerwald und Taunus sprach ein Gastredner über das Thema Ordenskunde, mit speziellem Schwerpunkt auf dem Eisernen Kreuz. Mit einer anschaulichen PowerPoint-Präsentation untermauerte der Vortragende seinen lebhaften und anschaulichen Vortrag.
Das Wort „Orden“ kommt eigentlich von Ordnung, lateinisch Ordo: Eine Gemeinschaft gibt sich eine Ordnung und stellt Regeln auf, nach denen man gemeinsam leben möchte.
Einer der ersten, der solche Regeln aufstellte, war der Heilige Benedikt von Nursia, der im 5. Jahrhundert das europäische Mönchstum begründete. In der Zeit der Kreuzzüge und der spanischen Reconquista folgten geistliche Ritterorden, deren bekanntester in unseren Kreisen der Deutsche Ritterorden ist, nach dessen Ordenskreuz später auch das Eiserne Kreuz gestaltet wurde. Nach dem Vorbild der geistlichen Ritterorden entstanden ab dem 14. Jahrhundert auch weltliche Ritterorden, mit denen fürstliche Landesherren loyale Untertanen an sich binden wollten. Diese waren aber alle definiert als Gemeinschaften, in die man aufgenommen wurde und nicht als Auszeichnungen, die man verliehen bekam. Und so wie Mönche ein einheitliches Gewand tragen, trugen auch die Ordensritter zunächst einen einheitlichen Waffenrock und die Mitglieder weltlicher Ritterorden ein Ordenskleinod, meist in Kreuzform, an einer Schärpe um die Brust oder um den Hals.
Tapferkeitsauszeichnungen zum Anbringen an die Uniform haben eine ganz andere Wurzel: Schon in der römischen Legion gab es die Phalerae, Plaketten in Form eines Löwenkopfes, die Offiziere für Tapferkeitstaten verliehen bekamen und an ihrem Brustpanzer trugen.
Der Übergang von Orden als fest gefügte Bruderschaften zum heutigen Auszeichnungswesen begann mit der Revolution in Frankreich und der französischen Ehrenlegion. Als Antwort auf die napoleonische Aggression stiftete König Friedrich Wilhem III. von Preußen im März 1813 zum Auftakt der Befreiungskriege den Orden des Eisernen Kreuzes, der schon als reine Tapferkeits- und Verdienstauszeichnung zu sehen war und zunächst nur für Taten in den Befreiungskriegen verliehen wurde. Im deutsch-dänischen Krieg 1864 und im deutschen Bruderkrieg 1866 wurden keine Eisernen Kreuze verliehen, sondern bestehende Orden wie der Rote Adlerorden zusätzlich mit der Kriegsdekoration, also mit Schwertern, belegt.
Als 1870 Frankreich erneut Deutschland angriff, gedachte Wilhelm I. von Preußen seines Vaters und erneuerte das Eiserne Kreuz für die Dauer des deutsch-französischen Krieges. Spätestens mit der Reichsgründung und der Übernahme des Eisernen Kreuzes in die Flaggen des Reiches war damit das Eiserne Kreuz, obwohl immer noch eine rein preußische Auszeichnung, zu dem Symbol deutscher Wehrkraft geworden.
Die nächste Erneuerung und damit die dritte Verleihungsphase war dann der Erste Weltkrieg. In diesem zogen auch andere Nationen nach und schufen eigene, reine Tapferkeitsauszeichnungen, die dann eben auch nicht mehr den Charakter einer Ordensgemeinschaft hatten. So wie der osmanische Eiserne Halbmond oder die britische Military Medal. Keine von diesen hat aber jemals den ikonischen Status und den Wiedererkennungswert des Eisernen Kreuzes erreicht, welches in dieser Zeit auch das Erkennungszeichen der reichsdeutschen und österreichisch-ungarischen Flugzeuge im beginnenden Luftkrieg wurde. Mit der Fortdauer des Krieges trat bei den Verleihungen eine gewisse Inflation ein: 1813-1815 und 1870/71 waren ca. zwei von 150 Soldaten mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden, gegen Ende des Ersten Weltkriegs waren es fast zwei von fünf.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und damit der vierten Verleihungsphase traten einige Neuerungen ein. Das Eiserne Kreuz war jetzt nicht mehr eine Auszeichnung des Königreiches Preußen, sondern des Großdeutschen Reiches. Dementsprechend wechselte das Ordensband vom preußischen schwarz-weiß auf die schwarz-weiß-roten Reichsfarben. Und in der Tradition des preußischen Pour le Mérite, des österreichischen Militär-Maria-Theresien-Ordens und anderer höherer Kriegsauszeichnungen der deutschen Teilstaaten wurde das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz als höchste Tapferkeitsauszeichnung neu gestiftet. Um inflationären Entwicklungen entgegenzuwirken, wurden weitere Kampfabzeichen wie das Sturmabzeichen, das Bandenkampfabzeichen oder das U-Bootabzeichen geschaffen, die hinsichtlich der Verleihungsvoraussetzungen unterhalb des Eisernen Kreuzes angesiedelt waren.
Der Vortrag endete mit einer Betrachtung des Auszeichnungswesens und des Soldatentums in der Bundesrepublik und mit einem Vergleich, welche Wertschätzung diesen noch in der Frühphase zuteil wurde und wie erbärmlich sich die Regierung und Bundeswehr heute verhalten, nachdem im Jahr 2026 die letzten Ritterkreuzträger zur Großen Armee abberufen worden sind.
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