Nach Corona – Ein Resümee

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Dezember 2022 und „Corona“ ist vorbei. Natürlich schwelt das Thema auf leiser Flamme weiter: Impfschäden, verbliebene Maskenpflichten, etwaige Aufarbeitung des Dramas. Doch im Großen und Ganzen bestimmen die sogenannten Corona-Schutzmaßnahmen nicht mehr unseren Alltag. Im Gegenteil: Es scheint beinahe so, als wäre nie etwas gewesen. Zeit für ein Resümee und die Frage: Was nehmen wir mit?

 

Ein Winterabend

Die Stadt München hat viele Weihnachtsmärkte. Ein besonderer ist jedoch das „Tollwood“. Hier gibt es nicht nur Glühwein und Bratwurst, sondern auch ausgefallenere Getränke und exotische Speisen. Interessierte können zudem das, was man heute unter Kunst und Kultur einordnet, konsumieren. Zu diesem Weihnachtsmarkt auf der Theresienwiese kommen die Menschen daher von weit her. Auffallend ist, dass dieser Ort ein weißes Refugium in einer stark überfremdeten Stadt ist. Und dies trotz oder vielleicht sogar wegen der betont liberalen Ausrichtung des Festivals.

Jahr für Jahr treffe ich mich hier mit alten Kollegen, die man sonst nicht mehr sieht. Man tauscht die alten Geschichten aus und erkundigt sich, was aus diesem oder jenem geworden ist. Auf der einen Seite hat sich natürlich viel getan, hier wurde geheiratet, dort mit dem Hausbau begonnen, aber auf der anderen Seite stellt man fest, wie wenig sich eigentlich verändert hat. Und in dem Moment erkennt man, wie wenig sich die Welt eigentlich durch über zweieinhalb Jahre „Corona“ hinweg verändert hat. Es scheint beinahe, als sei nie etwas gewesen.

 

Corona-Diktatur – alles schon vergessen?

Wie anders sah die Welt noch im Januar dieses Jahres aus! So vieles eigentlich unfassbares ist in den letzten Jahren passiert und wie stark hatte das Geschehen unsere persönlichen wie politischen Zukunftsaussichten beeinflusst. Es ist schwer, das letztlich so weitläufige Geschehen zusammenzufassen und doch lohnt es sich, einige Ungeheuerlichkeiten in Erinnerung zu rufen. Da war die Mutter, die 2020 zu einer Geldbuße verurteilt wurde, weil ihr Kleinkind mit einem anderen Kind spielen wollte.

Da waren die Polizeihubschrauber, die in Hamburg auf Jugendliche angesetzt wurden, weil diese gegen die Ausgangssperre verstießen. Da war das Thema „Impfpflicht“ mit all seinen Implikationen. Die Gaststätten, die man nur „geimpft“ oder „genesen“ betreten durfte. Die Arbeitsplätze, die man letztlich nur noch mit entsprechendem Status aufsuchen durfte. Da war die Angst vor der Impfpflicht für Schulkinder. Da waren all die Fälle von Menschen, die sich gefälschte Impfzertifikate zulegten. Der Jugendliche, der mehrere hundert Euro zahlte für einen Impfausweis, um seinen Führerschein machen zu dürfen. Der Familienvater, der seine Familie und sich erschoss, weil der gefälschte Impfausweis der Frau aufgeflogen war.

In der Gesellschaft haben sich völlig neue Bruchlinien, aber auch ungewöhnliche Allianzen aufgetan. Wir haben Massenproteste erlebt, wie wir sie so bislang noch nicht kannten. Mit brutaler Gewalt reagierte das System auf den Widerstand. Es gibt unzählige Beispiele für drastische Verordnungen und ihre rigorose Durchsetzung. Erinnert sei hier beispielsweise an die Vorkommnisse in Schweinfurt im vergangenen Jahr, wo es zu massiver Polizeigewalt und im Nachgang zu Schnellgerichten gegen Demonstranten kam.

 

Was bleibt von allem?

Das Virus sei jetzt endemisch geworden, heißt es und daher könne das Leben wieder seinen normalen Gang gehen. Der Schutz bleibt jedem selbst überlassen. Im Grunde genommen ist nun alles Konsens, was der Großteil des Widerstandes die ganze Zeit hindurch vertreten hat. Eigentlich könnte man nun erleichtert sein. Dem Metzger oder dem Sitznachbar in der S-Bahn, der so strikt nach der Maske geschrien hat, kann man feist ins Gesicht lachen. Versammlungen öffentlicher wie privater Natur sind wieder durchführbar ohne „Hygienekonzept“ und Angst vor Anzeigen für das bloße Aufeinandertreffen von „Ungeimpften“. Und wir müssen uns nicht alle drei Monate impfen lassen.

Und obwohl wir die inhaltliche Diskussion gewonnen haben, kann ein Fazit nicht positiv ausfallen. Mit dem Aufkommen der Corona-Proteste im Mai 2020 hatten wir eine völlig neue Protestbewegung im Entstehen gesehen. Bemerkenswert war dabei die Offenheit für radikale und fundamentale Ansätze der Kritik. Die Zusammensetzung der Proteste war von Beginn an verwirrend: Rechte, Linke, Hippies, Nationalisten, Wahrheitssucher, Ökos, lebenshungrige Konsumenten, christliche Fundamentalisten, „Neuerwachte“. Ganz neue politische Akteure tauchten auf: Die Basis, Widerstand 2020, Studenten stehen auf, die Freien Sachsen, der „Demokratische Widerstand“. Ganz neue Namen erschienen auf der Bildfläche: Sucharit Bhakdi, Attila Hildmann, Michael Ballweg.

Für uns gab es vor allem die Hoffnung, aus den protestierenden Massen Potenziale zu gewinnen, die mit dem System abgeschlossen haben. Die nichts mehr zu verlieren haben. Auf der anderen Seite waren unsere Prognosen düster: Unmöglich könne die Wirtschaft den ersten, zweiten, dritten „Lockdown“ überstehen. Das Ende haben wir so nicht erwartet. Wir sind davon ausgegangen, dass sich die Lage immer weiter zuspitzen und die Handlungsspielräume immer enger würden. Entweder Zusammenbruch oder ein vollendetes totalitäres System. Und so schwankten auch die persönlichen Erwartungen zwischen einer Revolution und einer düsteren Zukunft.

Doch – bislang – ist weder das Eine noch das Andere eingetreten. Die Corona-Proteste sind nicht völlig verschwunden. Es hat sich eine völlig eigene Szene gebildet, deren Zielsetzungen zunehmend vage geworden sind. „Aufarbeitung“, „Nie wieder“, „Wiedergutmachung“, „Frieden“. Alles in allem ein Haufen, der seine Wunden leckt und vor Selbstmitleid nur so trieft. Es geht weiter, aber es drängt sich die Vermutung auf, dass der Ansporn ein anderer ist als die vorgeblichen politischen Ziele. Kann es sein, dass die gefundene Gemeinschaft, die Erinnerungen an das Erlebte im Widerstand, das Bewegungs-Gefühl an sich die Menschen antreibt? Fakt ist jedoch, dass jeder, der suchte, nun seinen Platz gefunden hat. Der eine glaubt weiterhin an Trump und Putin, der andere an die Basisdemokratie und der nächste an den Kaiser. Für die nationalrevolutionäre Bewegung ist letztlich wenig hängen geblieben.

 

Pflichtbewusstsein und bedingungsloser Gehorsam

Nachdem ich die Massen auf dem „Tollwood“ hinter mir gelassen habe, noch immer darüber sinnierend, wie wenig sich doch verändert hat, gehe ich zum S-Bahnhof. Die Zustände in öffentlichen Verkehrsmitteln sind wohl das letzte anachronistische Relikt von „Corona“. Noch am Morgen hatten mich Kontrolleure ermahnt, eine Maske aufzusetzen, da „noch nicht Samstag“ sei. Das Ende der Maskenpflicht ist bereits terminiert. Mir gegenüber sitzt ein älteres Ehepaar und ich muss lächeln, denn beide tragen keine Maske mehr. Nach zwei Stationen ertönt eine Durchsage und erinnert die Passagiere in deutscher und englischer Sprache an die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. „Danke, dass sie sich und andere schützen!“ Die beiden setzen eine FFP2-Maske auf.

Was bleibt, ist eine Lehre über die Menschen unseres Volkes. Die Maskenpflicht steht symbolisch für das Verhalten der Menschen an sich. Die Corona-Maßnahmen konnten die gesteckten Ziele nie erfüllen. Weder wurde Corona besiegt, noch konnten Ansteckungen verhindert werden. Bestimmt 90 Prozent der Bevölkerung haben mittlerweile eine oder mehrere Corona-Infektionen durchgemacht, geimpft oder ungeimpft, „vorsichtig“ oder „unvorsichtig“. Dennoch wurde und wird getragen, was auch immer gerade politisch angeordnet wird. Supermarkt, Restaurant, Volksfest und Disco, so konnte der Tag des BRD-Bürgers aussehen – am Ende des Tages sitzt jedoch wieder die Maske in der S-Bahn. Und das auch dann, wenn kein Personal in dem Wagen unterwegs war, das ohnehin nur noch Ermahnungen aussprechen konnte.

Mit einem gewissen Sarkasmus muss daher festgestellt werden, dass die Menschen keineswegs „selbstbestimmter“ und „freier“ geworden sind. Das Denken wird den Herrschenden überlassen und was der Herrschaftsapparat befiehlt, dem wird widerspruchslos gefolgt. Und das auch bar jedem rationalem Argument. Positiv gesehen könnte man also sagen, dass die Tugenden „Gehorsam“ und „Pflichtbewusstsein“ weiterhin vorhanden sind. Sie gelten nur den falschen Autoritäten. Sollten sich die Machtverhältnisse in diesem Land also einmal verschieben, kann man davon ausgehen, dass die Masse auch dann folgt und „Abweichler“ auf Linie zwingen wird.

1 Kommentar

  • Die Masse der Menschen sind immer Geführte bzw Mitläufer. Das ist nicht grade eine neue Erkenntnis, darüber haben Leute schon im letzten Jahrhundert Bücher geschrieben. Das hat auch sein Gutes: Die Masse der Menschen sind schlimmstenfalls immer bloß Verführte und solchermaßen angerichtete Schäden deshalb reversibel.

    RW 20.12.2022
  • Die Impfpflicht ist gescheitert weil Abweichler nicht auf Linie gebracht werden konnten würden die Antithese aussagen. Ebenso das „veraltete“ „Konstrukte“ wie die Familie hochkonjunktur haben……

    Ein sehr negativer Artikel der zudem in Teilen schlichtweg falsch ist. Schade, wie Ich finde, da der Anfang sehr vielversprechend war

    Max 20.12.2022
  • Was eindeutig fehlt, ist das persönliche Verantwortungsbewusstsein – ich bin erkältet (mit reichlich Schleim) und trage darum wieder verstärkt eine FFP2-Maske, denn ich bin einigermaßen fit, aber ältere Leute können nicht mehr alles abhusten und kleinere Kinder können es noch nicht (beiden Gruppen fehlt die Kraft dazu) – die muss ich nicht anstecken.

    Nadja Beeker 20.12.2022
    • Solange das Märchen, das bloß Asoziale sich keine verdreckten Lumpen vor’s Gesicht wickeln, weil die auf magische Weise Infektionen mit Allerweltskrankheiten verhindern, mit denen die Menschheit jahrtausendelang ohne solche Mätzchen klargekommen ist, noch geglaubt wird, ist Corona nicht wirklich überwunden — jeder Maskenträger wünscht insgeheim, daß es von vorne losgeht.

      RW 21.12.2022