Ende Mai dieses Jahres begab sich eine Wandergruppe vom III. Weg zum zweiten Mal auf eine Reise ins ehemalige deutsche Grenzland: dem Elsass. In drei Tagen sollten über 60 km mit vollem Marschgepäck durch die Vogesen zurückgelegt werden. Die Wanderung startete am deutschen Soldatenfriedhof in Bergheim und führte über den Vogesenkamm – die ehemalige Reichsgrenze – bis hin zu einem bedeutenden Schlachtfeld des 1. Weltkriegs, dem Lingekopf. Die Wanderstrecke kann man bei der Wander-App komoot einsehen.
Bevor es aber mit der Wanderung am Donnerstag losgehen sollte, trafen sich die südwestdeutschen Wanderfreunde unserer Partei und Bewegung Der III. Weg in einem Privatmuseum eines Elsässers, welcher seit seiner Kindheit Exponate aus den 30iger und 40iger Jahren sammelt. Im Museum befinden sich viele militärische Ausrüstungsgegenstände verschiedenster europäischer Armeen sowie zahlreiche Exponate der politischen Strukturen des 3. Reiches im Elsass. Nach gut zwei Stunden Museumsführung und viele Gespräche über Land und Leute ging es weiter zum Startpunkt unserer anspruchsvollen Wanderung, mit 2650 Höhenmetern Aufstieg auf rund 60 km. Die Rucksäcke waren gut gefüllt und wogen zw. 15 und 20 kg, da jeder die komplette Verpflegung, Übernachtungs- und Ausrüstungsgegenstände mitführen musste.
Vom deutschen Soldatenfriedhof Bergheim, auf dem über 5.000 deutsche Gefallene des 1. Und 2. Weltkrieges ihre letzte Ruhe fanden, ging es durch Weinberge immer bergauf bis zu den Burgen über Reichenweier (Riquewihr). Noch 2 km weiter schlugen wir unser erstes Nachtlager rund um eine Schutzhütte im Wald auf. Der Abend wurde mit Grillen und guten Gesprächen verbracht.
Aber schon am ersten Tag bewahrheiteten sich unsere Erfahrungen vom letzten Vogesenmarsch, daß Trinkwasser in diesem Teil der Vogesen nur begrenzt zur Verfügung steht. D. h., daß es sehr wichtig ist, sich anhand von detaillierten Wanderkarten über Wasserquellen auf der Wanderstrecke zu informieren. Wir hatten beispielsweise unsere Nachtlager immer so gewählt, daß sich laut Karte eine Quelle in der Nähe befindet, um unsere Wasservorräte für den folgenden Tag auffüllen zu können. (Wasservorrat mindestens 2 Liter).
Elsass – deutsches Grenzland
Die Geschichte des Elsass, eine Region am westlichen Rand des deutschen Sprachraums, ist geprägt vom Einfluss zweier der großen Kulturräume Europas: des germanischen (deutschen) und romanischen (französischen). Im Zuge der Völkerwanderung germanisiert und in die kulturellen Strömungen der deutschen Geschichte einbezogen, geriet es seit der Neuzeit zunehmend unter die politische Kontrolle des französischen Königreichs, wobei es verschiedene äußere Formen durchlief. Zu nennen wären das Herzogtum Elsass (7.–8. Jahrhundert), die beiden Landgrafschaften des Elsass (12.–17. Jahrhundert) und die frühneuzeitliche französische Provinz Elsass (17.–18. Jahrhundert). Mit der Herausbildung des Nationalstaats seit der Französischen Revolution verstärkten sich die Spannungen und das Elsass wechselte schließlich zwischen 1850 und 1950 vier weitere Male seine politische Zugehörigkeit. Zwischen 1871 und 1918 gehörte das Elsass als Teil von Elsass-Lothringen zum von Preußen geführten deutschen Kaiserreich, bevor es im Zuge des Versailler Diktats wieder an Frankreich angegliedert wurde. 1940–1944 war das Elsass von der Wehrmacht zurückerobert, eine deutsche Zivilverwaltung geschaffen und Teil des Gaus Baden-Elsass. Seit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurde das Deutschtum im Elsass systematisch unterdrückt; heute sprechen immer weniger Elsässer deutsch. Auch die Zuwanderung von Fremdrassigen wurde seitens der französischen Regierungen stark vorangetrieben und zeigt sich besonders in den größeren Städten wie Straßburg. Viele Elsässer wünschen sich mehr Autonomie von Frankreich und begreifen sich in erster Linie als Elsässer – und nicht als Franzosen oder Deutsche.
Nach einer erholsamen Nacht, anschließendem Frühstück und Lagerabbau ging der Vogesenmarsch am zweiten Tag über den Königsstuhl auf dem europäischen Fernwanderweg GR5 bis zu einem See unterhalb des Buchenkopfes (Tête des Faux) [1208] weiter. Aber dazu mehr im zweiten Teil unseres Berichtes.
Weitere Infos: Teil 1, Teil 2, Teil 3; Video
Zirkel 451: Das verlorene Vaterland – Ein Roman zur Elsass-Frage
Deutschland ist größer als die BRD, und wir interessieren uns für unsere deutschen Brüder und Schwestern, wo immer sie auch leben. Eher selten wird heute das Elsass thematisiert. Der Roman „Das verlorene Vaterland“ stammt von dem einstmals erfolgreichen deutsch-nationalen Autor Walter Bloem und spielt zur Zeit des deutsch-französischen Krieges 1870/71 in Straßburg.
Der Autor liefert keineswegs plumpen Hurra-Patriotismus, sondern vermittelt uns die Komplexität dieses Themas, die auch mehr als 100 Jahre nach Erscheinen des Buches nicht abgenommen hat. Doch hört selbst!















