Feder & Schwert LXXXVIII: Die „multipolare Weltordnung“ – ein antieuropäisches Modell

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Über die Begeisterung weiter Teile neurechter Kreise für eigenwillig interpretierte marxistische Ideen wurde bereits in den letzten zwei Teilen von Feder & Schwert eine ausführliche Abhandlung geführt. Diesmal wollen wir uns mit einem Phantom auf dem Feld der Geopolitik beschäftigen, das ebenfalls Eingang in die verquere Ideologie neurechter Vordenker gefunden hat. Mit dem allmählichen Niedergang der über zwei Jahrzehnte fast alle Bereiche der Welt berührenden angloamerikanischen Hegemonie witterte so mancher Patriot oder Nationalist das verheißungsvolle Zeitalter einer „multipolaren Weltordnung“ aufkommen. Und tatsächlich lässt sich konstatieren, dass wir aktuell bereits schon kurz davor stehen, uns inmitten einer Weltordnung wiederzufinden, in der mehrere Großmächte um Einfluss und die Kontrolle um die Ressourcen der Welt ringen. Die Frage, die sich für uns als europäische Nationalisten und Nationalrevolutionäre hierbei stellt, ist: Was hat Europa davon?

Für viele eindimensional denkende Rechte, die ihre geopolitische Standortbestimmung allein von ihrem manischen Hass auf Amerika ableiten, mag es selbstverständlich erfreulich sein, dass sich der amerikanische Hegemon im Niedergang befindet, doch die entscheidenden Fragen lauten: Ist Europa stark genug um sein eigener Hegemon zu sein?, und wenn nicht „Wären die anderen außereuropäischen Großmächte, die in Konkurrenz zum amerikanischen Imperialismus stehen, wirklich besser für uns?“ Es ist kein Zufall, dass der Begriff der „multipolaren Weltordnung“ vor allem von jenen Mächten geprägt wurde, die im schärfsten Kontrast zur westlichen Welt stehen, zu der auch Europa gehört.

Es waren ausgerechnet die heute nicht weniger imperialistischen Mächte Russland und China, die 1997 durch einen Brief des russischen und des chinesischen Botschafters an die UN-Vollversammlung den Begriff der „Multipolarität“ als Gegenmodell zur westlichen Hegemonie ins Leben riefen. Ihnen ging es dabei nicht etwa um den Schutz der Souveränität einzelner Völker und Nationalstaaten, sondern um die Durchsetzung eigener imperialistischer Machtansprüche und die Schaffung einer neuen Ordnung im Großraum Eurasiens. Der russische Unterzeichner jenes Briefes war damals niemand geringeres als der heutige Oberkriegstreiber im Amt des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, damals noch in der Funktion des russischen UN-Botschafters. Noch heute ist Lawrow einer der emsigsten Propagandisten der „multipolaren Weltordnung“, wie vor 2 Jahren beim internationalen International-Science-Fiction-Symposium in Moskau.

Und nicht nur Russland, sondern auch seine Vasallen des globalen Südens fühlen sich von der Idee einer „multipolaren Welt“ angetan. Das anti-weiße Regime in Südafrika, unter dem Mordhetzer wie Julius Malema („Kill the boers!“) zum Genozid an den Weißen des Landes aufrufen, ist seit 2010 BRICS-Mitglied. Anti-weiße Demagogen wie Malema setzten sich in der Vergangenheit dafür ein, dass der Blutkhan Putin trotz internationalem Haftbefehl auf einem BRICS-Gipfel in Südafrika teilnehmen könne und unterstrich seine Ambitionen mit Aussagen wie „Wir sind Putin und Putin sind wir, und wir werden niemals den Imperialismus gegen Präsident Putin unterstützen.“

Auch im übrigen Afrika zeigt sich, dass die Russische Föderation als Sprachrohr der „multipolaren Weltordnung“ eine knallharte imperialistische Politik um eigener Interessen willen verfolgt und dabei nichts anderes ist, als das eurasische Spiegelbild des westlichen Imperialismus. Als propagandistisches Mittel bedienen sich die „Multipolaristen“ dabei typischen kommunistischen Narrativen von der angeblichen Ausbeutung und Unterdrückung des globalen Südens durch die weißen, westlichen Nationen, die vor allem bei denjenigen farbigen Völkern auf fruchtbaren Boden fällt, die jahrzehntelang gegen die Geschichte Europas indoktriniert worden sind.

Völlig ausgeblendet wird dabei hingegen, dass in das „multipolare“ Bündnis integrierte Mächte wie China ebenfalls als Kolonisatoren in Afrika bei der Ausbeutung von Bodenschätzen auftreten und westliche Staaten im Gegensatz zu Russland oder China über Jahrzehnte unnötig massive Geldsummen für Entwicklungshilfe und humanitäre Hilfe aufgewendet haben; seit 1960 bis heute sind es über 3 Billionen Euro.  Und es waren auch westliche Staaten, die sich törichterweise jenen Mächten geöffnet haben, die heute dabei sind, das Ende der Vorherrschaft der weißen Welt zu besiegeln. Der angebliche Antikommunist Richard Nixon näherte sich bei seinem China-Besuch 1972 dem maoistischen Regime in China an, Bill Clinton half Russland mit Finanzhilfen, sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu rehabilitieren, wovon auch Putin in seinen ersten Regierungsjahren stark profitierte und auch der halbschwarze Ex-US-Präsident Barack Obama zeigte sich 2015 gegenüber dem Iran mit dem Abschluss des Atomabkommens eher nachsichtig als angriffslustig.

Die Propaganda der Multipolaristen pflegt jedoch ungeachtet dieser Tatsachen die totale Dämonisierung des Westens, wie es der KGB-gesteuerte Infokrieg zur Zeit des Kalten Krieges nicht besser fertig gebracht hätte. Für alles Leid der Welt werden buchstäblich Europäer und europäischstämmige Weiße in Übersee verantwortlich gemacht, während die „edlen Wilden“ durchweg in die Rolle der ausgebeuteten Opfer gedrängt werden, aus der sie sich nun unter der Führung Russlands und Chinas befreien sollen. Es bleibt ein Rätsel, warum ausgerechnet Nationalisten in Europa, die ein Interesse daran haben sollten, dass ihr ethnisch konsolidierter Heimatkontinent wieder zur führenden Weltmacht aufsteigt, anstatt für immer eine Randprovinz Eurasiens und Kolonie der Dritten Welt zu werden, auf diese Propagandafarce der „multipolaren Weltordnung“ hereinfallen. Der ideologische Wahnsinn kulminiert schließlich in der ungeheuerlichen Vorstellung, dass man den „traditionellen“ Islam zum Bündnispartner gegen den „dekadenten“ Westen machen und aus Volks- und Raumfremden, die Träger des Islams oder anderer antiwestlichen Kulturen sind, ein „neues Volk“ erschaffen könne.

Damit befinden sich die Multipolaristen ideologisch in derselben Blase wie die Liberalen, welche umgekehrt eine Remigration von Raumfremden, die sich den „westlichen Werten“ angenommen haben, entschieden ablehnen. Und tatsächlich ist die „multipolare Weltordnung“ auch nichts anderes als ein Internationalismus unter einem anderen Vorzeichen als das westliche Modell. Auch hier werden Rassen und Völker auf einem Niveau nivelliert, als ob es kein Wertgefälle der Kulturen gäbe und auch hier vergewaltigen imperialistische Mächte innerhalb ihrer geographischen Interessenssphären die Souveränität von Nationalstaaten, was das Beispiel für den russischen Überfall auf die Ukraine am deutlichsten illustriert. Die Erinnerung an das „koloniale Erbe“ Europas bzw. der Weißen und der daraus resultierende Schuldkult, mit dem wir den Rückzug Europas aus allen Teilen der Welt akzeptieren sollen, tragen dazu noch das Gesicht kommunistischen Antieuropäismus aus der Zeit des Kalten Krieges. Es verwundert daher nicht, dass Alexander Dugin als Vordenker der Multipolaristen die ethnische Heterogenität der Russischen Föderation als Stärke preist, einem Schwarzen die russische Identität zuspricht, solange er Russisch spricht und weiße „Westler“ als „Rassisten“ beschimpft und ihren längst verloren gegangenen Ethnozentrismus geißelt.

Wie absurd und innerlich widerspruchsvoll die Ideologie des Duginismus tatsächlich ist und damit in jeglicher Hinsicht unbrauchbar als eine Weltanschauung für Nationalisten, hat unter anderem Charles Upton in seinem Werk „Dugin against Dugin: A Traditionalist Critique of the Fourth Political Theory“ nachgezeichnet. In dieser Arbeit entlarvt der Autor die ominöse vierte politische Theorie Dugins als ein Frankensteingebilde, das zwar vorgeblich den Liberalismus und Universalismus verwirft, jedoch innerhalb dieser Ideen mit denselben Methoden arbeitet, ebenso wie unter dieser Theorie der westliche Imperialismus dämonisiert wird, während man gleichzeitig einem eurasischen Imperialismus das Wort redet. Der destruktive Charakter dieser Ideologie offenbart sich außerdem darin, dass man sich politischen Strömungen aller Coleur bedienen will, einschließlich islamistischen, kommunistischen und sogar radikalen nationalistischen und segregationistischen Strömungen, um die bestehenden Ordnungen im Westen zu destabilisieren, auch wenn man in Wahrheit das Gegenteil von dem etablieren will, was sich revolutionäre Nationalisten in den weißen westlichen Nationen zum Ziel gesetzt haben. Eine krude Ideologie wie die vierte politische Theorie jedoch, die in Widersprüchen verstrickt nur vom Stiften des Chaos lebt und nie eine klare dezidierte Vorstellung darüber äußerte, wie eine neue Ordnung beschaffen sein soll, kann jedoch nur zum Scheitern verurteilt sein. Hingegen ist eine Ordnung, die sich auf einer Weltanschauung begründet, welche sich nach den Gesetzmäßigkeiten der Natur richtet, immer positiv und aufbauend, sowie in sich schlüssig und logisch, ganz im Gegensatz zu einem System multipolarer Entropie.

Folglich muss also die „multipolare Weltordnung“ als ein System des Chaos und innerer Unordnung auch zu Instabilität und Krisenanfälligkeit führen. Bestenfalls kann man Multipolarität als einen Übergangszustand bezeichnen, an dessen Ende sich entweder wieder zwei Pole durchsetzen, die im Ringen um die Weltherrschaft sich die Waage halten, wie zur Zeit des Kalten Krieges oder sich nur eine Macht gegenüber allen anderen durchsetzt. Dass eine „multipolare Welt“ nicht von Dauer ist, hat die Geschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts sowie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits gezeigt. Neben der damaligen weltbeherrschenden Hegemonialmacht Großbritannien, die spätestens seit dem Wiener Kongress 1815 mit der Pax Britannica ein Jahrhundert unipolarer Stabilität schuf, strebten zunächst das Deutsche Reich, später auch die USA, die Sowjetunion und Japan zu Weltmächten empor.

Am Ende eines über 30 Jahre währenden mörderischen Ringens blieben nur die USA und Sowjetunion als die beherrschenden Pole der Welt übrig, nachdem man Deutschland und Japan gewaltsam niedergerungen hat und das britische Empire als Wurmfortsatz der USA zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken ist. Dass es eine dauerhaft bestehende Multipolarität geben kann, ist eine naive Wunschvorstellung, die auch im 21. Jahrhundert bald all jene Lügen strafen wird, die an die „Sache der Völker“ glauben. Wenn Europa nicht unter einen fremden Hegemon geraten will, kann es nur selbst zu einem Hegemon werden und muss darauf hinarbeiten, sich als dritter Pol zwischen den sich herauskristallisierenden alten und neuen Supermächten USA im Westen und China im Osten zu behaupten. Dabei geht es nicht darum, dass Europa im Sinne einer imperialistischen Macht Abschied vom Nationalstaat und von der Idee des Nationalismus nimmt, sondern um eine integrierende Hegemonie, die auf Partizipation und Kooperation nach innen beruht und die Souveränität der Nationalstaaten weitestgehend unangetastet lässt. Dieser Gedanke wird durch die nationalrevolutionäre Bewegung mit ihrem Ziel der Europäischen Eidgenossenschaft ausgedrückt. Wenn die „Multipolaristen“ und Anhänger der „vierten politischen Theorie“ hingegen auf den weiteren Abstieg des westlichen Hegemons durch die Förderung von Chaos, Krisen und Instabilität hinarbeiten, so wird das Ergebnis nicht eine friedlichere, sicherere und gerechtere Welt sein, sondern das endgültige Ende Europas und der weißen Welt.

Über das Schlagwort „Die Sache der Völker“ urteilte der eher ethnozentrisch eingestellte neurechte Theoretiker Guillaume Faye, der mit seiner Position in seinem Milieu eher allein dasteht: „Die „Sache der Völker“ ist nichtsdestoweniger mit einem christenähnlichen Altruismus verknüpft, der unsere Zivilisation dämonisiert, sie beschuldigt, alle anderen zerstört zu haben, und sie tut dies gerade zu einem Zeitpunkt, als sich diese anderen gerade eifrig an die Zerstörung unserer Zivilisation machen.

„Das Recht auf Verschiedenartigkeit“…. Was für ein Recht?…. Es gibt nur eine Fähigkeit, verschiedenartig zu sein. Im Ausleseprozess der Geschichte und des Lebens muss es jeder aus seine Weise schaffen. Da gibt es keine gütigen Beschützer. Darüber hinaus ist dieses Recht jedem vorbehalten außer den Europäern, die [im Namen von Multikulturalismus und anderer kosmopolitischer Mode] aufgefordert werden, ihre eigene biologische und kulturelle Identität aufzugeben.

„Die Sache der Völker“ ist kollektivistisch, homogenisierend und egalitär, während der „Kampf der Völker“ subjektivistisch und vielgestaltig ist… In diesem Sinne sind nur Nationalismus und der aufeinanderprallende Wille zur Macht imstande, das lebensbejahende Prinzip der Subjektivität aufrecht zu erhalten. Unter der egalitären Annahme, dass jedes Volk ein „Recht zu leben“ hat, zieht es cause se peuples vor, die offensichtliche historische Realität zugunsten eines Objektivismus, der die Völker der Welt in Schaustücke, passend für ein Museum, verwandeln möchte, zu ignorieren. Damit impliziert sie die Gleichwertigkeit aller Völker und Zivilisationen.“ (1)

Damit ist der Beweis erbracht, dass die Ideologie der vierten politischen Theorie bzw. die geflügelte Propagandaphrase der „multipolaren Weltordnung“ nichts anderes sind als ein fortgesetzter antieuropäischer Diskurs, der nahtlos von den Kommunisten übernommen wurde. Die Ähnlichkeiten der egalitären und mit den Methoden historischer Schuldkomplexe arbeitenden Narrative sind einfach zu augenscheinlich. Die einzigen Profiteure dieser ideologischen Narretei sind nicht etwa „die Völker“, sondern die imperialistischen Großmächte im asiatischen Osten, die antiwestliche Ressentiments als strategische Waffe zu ihrem eigenen Vorteil nutzen. Man kann keinen Kampf mit Aussicht auf Erfolg führen, solange man sich innerhalb der Ideologie seiner Gegner bewegt. Und so dürfen Europas Nationalisten, bei ihrer Suche nach Auswegen aus der herrschenden liberalistischen Matrix, sich nicht länger von „intellektuellen“ Scharlatanen auf das Glatteis anderer egalitärer und zersetzender Ideologien führen lassen.

Unser Gegenmodell zum „Multipolarismus“ lautet europäischer Ethnozentrismus, und alle Fragen, die unsere Zukunft betreffen, müssen wir Europäer selbst beantworten und dies nicht etwa Moskau, Peking oder den BRICS-Staaten überlassen. Europa benötigt den Schutz seiner Außengrenzen im Osten wie Süden, die Rückführung der Raumfremden, eine aktive Geburtensteigerungspolitik, eine positive Rückbesinnung auf die eigene Identität und die Wiedererlangung seiner politischen und militärischen Souveränität, um endlich wieder als eigenständig handelndes Subjekt auf der Walstatt des globalen Mächteringens auftreten zu können. Entweder unser Erdteil als Urheimat der höchsten Kultur- und Zivilisationsträger hilft sich selbst oder er wird nicht mehr sein.

Fußnote: (1): Nationalismus – Eine ganzheitliche Betrachtung, Nationalrevolutionäre Schriftenreihe Band 6, Seite 141 ff.

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